Baden-Baden (ohja) – Jetzt gibt es richtig Ärger: Baden-Badens Beitrag zum universellen Wert ist deutlich größer als bisher öffentlich angenommen. Die Kernzone (Innenstadt) der künftigen Welterbestätte „Baden-Baden“ wird erheblich erweitert – unter anderem um den sogenannten Gumpen im denkmalgeschützten Ooswinkel.

Und das kam nach Informationen von Mercurius so: Kürzlich weilte eine hochrangige Delegation im Rathaus (Tatsache!). Dabei ging es um die Finalisierung der Bewerbung von zusammen elf Städten (Tatsache!). Mit dabei sind so unglaublich bedeutende Kommunen wie Bad Ems und Bad Kissingen (Tatsache!) Nach dem üppigen Mittagessen schlenderte die Gruppe, begleitet von Unesco-Experten, Richtung Kurhaus.

Danach ließen sie sich bis zum Abendbrot gen Westen treiben, vorbei an Festspielhaus und Verfassungsplatz, ehe sie die Oos erneut entdeckten. „Wo war sie denn?“, fragte ein Delegationsmitglied aus Paris. Fortan war das Interesse geweckt – und eher missmutig (die Zeit bis zum Abendbrot drängte inzwischen!) folgten die zahllosen Mitarbeiter der Verwaltung sowie fast der gesamte Gemeinderat dem Wunsch des Gremiums, dem weiteren Verlauf der Oos zu folgen…

„What’s that?“

Im Ooswinkel dann waren die Unesco-Gesandten völlig aus dem Häuschen: „What a wonderful place! What’s that?“ Markus Brunsing, Leiter des Gartenamts, erklärte den historischen Hintergrund: Hier badeten einst die einfachen Bürger (Tatsache!).

Zurück im Rathaus, wurde letztlich (auch) der Gumpen als antikes Beispiel für das immerwährende Badewesen in das Gebiet der nominierten Welterbestätte aufgenommen. Zum Gumpen heißt es wörtlich: „Die städtebauliche Anlage ist repräsentativ für das Phänomen der europäischen Kurstadt und bis heute geschlossen in ihrer Struktur und historischen Substanz erhalten.“

Die „normalen“ Baden-Badener sind begeistert: „Endlich werden auch wir einfachen Bürger beachtet. Es hat lange gedauert.“ Allerdings kommt auch viel Ärger auf: Außerhalb der Innenstadt will man Gehör finden (Tatsache!). Fernab der City macht sich seit der Urzeit ein Gefühl der Vernachlässigung breit (Tatsache!). Die kritischen Stimmen kommen vernehmlich und vornehmlich aus dem Rebland, aus Oos, Sandweier, Lichtental, Haueneberstein, Ebersteinburg, Geroldsau und der Weststadt sowie Oosscheuern…

Gestern wurde bekannt, dass von den ehedem deutlich mehr als zehn Great Spas of Europe, darunter Spa und Vichy, die alle gemeinsam zum Welterbe ernannt werden wollten, nur Baden-Baden übrig bleiben wird – als wirklich Schönste unter den Schönen. Die Bürger haben meistens andere Sorgen…

(Vorsicht: Satire!)