Liebe Leute,

als ich in Praia, der Hauptstadt der Kapverden, abends vor der Pension auf die Straße trat und auf die gegenüberliegende Hauswand schaute, traute ich meinen Augen beim Blick auf die Wandmalerei kaum: der afrikanische Kontinent in den pan-afrikanischen Farben mit einer gereckten, kämpferischen Faust – und im Fenster ein Schwimmring in der Auslage…

Ich bin mir sicher, dass der Chinese, der den riesigen Laden betreibt, nur rein zufällig für diese Kombination gesorgt hat. Und doch – es ist für mich ein Symbolfoto für eines der Themen dieser Zeit. 

Wie auch immer man zu Fluchtursachen und der Motivation von Menschen, ihre Heimat zu verlassen, steht: Dass man Menschen ertrinken lassen will oder genau das fordert, ist für mich eine Entgrenzung sondergleichen. Wer noch nicht einmal mehr Menschen rettet, der hat den humanistischen Boden längst verlassen – den christlichen natürlich auch. 

Man muss an dieser Stelle nicht betonen, dass „wir“ nicht „alle“ aufnehmen können. Niemand, der bei Troste ist, will das. Und „alle“ wollen oder können gar nicht kommen. Die Ärmsten ohnehin nicht. Aber die, die sich (aus welchen Gründen auch immer) auf den Weg gemacht haben und zu ertrinken drohen – die muss man retten. Punkt. Und deshalb ist gut und richtig, dass sich nun wenigstens ein paar europäische Staaten aufgerafft haben, Gerettete aufzunehmen. Es geht um ein paar Hundert jährlich!

Was können die Menschen dafür?

Im Übrigen: Es wird ja auch bei uns gerne in durchaus breiten Kreisen so getan, als seien die Afrikaner halt selbst schuld an ihrer vielfach misslichen Lage. Natürlich, auf diesem riesigen Kontinent gibt’s korrupte Regimes, die nicht das Wohl ihrer Landsleute, sondern nur ihre Bankkonten im Blick haben. Und vielfach sind es genau jene, die zusammen mit nicht minder rücksichtslosen, weltweit agierenden Unternehmen und Konzernen, darunter auch europäischen, Natur und Menschen gleichermaßen ausbeuten. Was können dafür die normalen, einfachen Menschen? Nichts!

Das aber führt schnurstracks hin zu einer Verantwortung, die gerade Europa zu tragen hat: Auch die Kolonialzeit hat tiefe Spuren, Furchen, ja Krater hinterlassen, die vielfach bis heute nicht bewältigt sind. Afrika – ein missbrauchter Kontinent.

Klimawandel verschärft die Lage

Auch auf den Kapverden hat es gedauert, bis aus einem gequälten Land ein demokratischer Musterschüler wurde. Und heute kommt auf dieser Inselgruppe genauso wie auf dem gesamten afrikanischen Kontinent noch eine sich verschärfende Tatsache hinzu, die (eigentlich) niemand leugnen kann: Der Klimawandel kennt keine Gnade.

Und was tut Europa? Abschotten ist keine Lösung. Stattdessen: Entwicklung, die die Kulturen berücksichtigt. Übrigens: China ist – wie auf den Kapverden – in gesamt Afrika massiv unterwegs. Aber nicht aus humanitären Gründen…