Widerlich. Widerwärtig. Würdelos. Was die Rechten nach der AfD-Demo vor dem SWR-Funkhaus in Baden-Baden ungestraft ins WWW und damit in die digitale Welt schickten, findet große Resonanz: tausendfache und oft abgründig-beleidigende „Kommentare“ zeugen davon. Die Welle rollt. Zwei Mitglieder des Kreisverbands der Linken, darunter Vorstandssprecherin Michaela Zeyer, haben nach einem Interview nun Anzeige erstattet.

Natürlich ist es nicht neu: Das Internet ist das Forum der Rechten. Es dient der Verbreitung von Hass und Hetze. Diskriminieren, ausgrenzen, herabwürdigen, beleidigen – das sind die Grundelemente. 

Doch jeder und jede Anständige sollte, ja muss begreifen: Das Ziel sind wir alle. Die liberale Demokratie, das verhasste „System“, ja auch die „alte“ Presse sollen genauso sturmreif gehetzt werden wie die „Altparteien“. 

Ich selbst zähle nicht zu jenen, die stumm sein können. Aber ich zähle auch nicht zu jenen, die ein 4.Reich kommen sehen. Die Mehrheiten sind andere. Doch tatsächlich: Warum sollte bei uns nicht möglich werden, was die Nationalisten und Populisten in Italien oder Frankreich und anderswo möglich machen? Siehe nur: der Osten Deutschlands…

Die Rechten merken: So geht das!

Das, was im Netz geschieht, was die rechten Trolle anschieben, von nicht minder rechten Plattformen verbreitet und schließlich in Erregungswellen übers Land schwappt, verändert Stück für Stück, peu à peu, Schritt für Schritt nicht nur unsere erfahrbare Lebenswelt, sondern auch die Politik und die Medien. Unmerklich? Mitnichten. 

Ein Beispiel dafür ist die Reaktion der Intendanz des WDR auf den Protest gegen die geträllerte „Umweltsau“-Satire. Was macht der Intendant? Er entschuldigt sich – und das Video fliegt in den elektronischen Papierkorb. Die zunächst von rechts und von „Bild“ aufgepeitschte „Öffentlichkeit“ hat also Erfolg. 

Die Rechten merken längst: So geht das! Also postieren sie sich auch vor Funkhäusern und Zeitungen, drohen und beleidigen Journalisten. Oder sie geißeln Bürgermeister, Abgeordnete oder auch kritische Polizeipräsidenten. 

In die Falle getappt

Drohen und beleidigen – das beherrschen die Rechten auch im Netz. Nach der AfD-„Demo“ in Baden-Baden haben wenigstens Michaela Zeyer und Karin Blum von der Partei Die Linken eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Sie waren einem filmenden Team um einen nicht als AfD-Mann zu erkennenden „Hobby-Journalisten“ in die Falle getappt: Auf dessen Youtube-Kanal mit inzwischen 9,1 Millionen Aufrufen (!) finden sich die Entgleisungen des AfD-Abgeordneten Stefan Räpple genauso wie die von den anderen „Rednern“ sowie das „Interview“ mit Zeyer und Blum. Die tausendfachen Kommentare reichen von „Nazi-Säuen“ über „radikale Quasi-Terroristen“ bis zu „Wackelschädel wie Merkel“ – natürlich zumeist von Leuten, die ihr Gesicht nicht zeigen. Dagegen wehren sich Zeyer und Blum. 

So gut und richtig das ist, so wahrscheinlich aussichtslos ist es doch. Denn Plattformen wie Youtube haben sich von Beginn an fast jeglicher presserechtlichen Verantwortung entzogen: Der Pressekodex, an dem sich beispielsweise jede kleine oder große Zeitung orientieren muss, der ethischer Maßstab ist – dort schlicht egal. Wahrhaftigkeit, Achtung der Menschenwürde, Schutz der Persönlichkeit, Sorgfaltspflichten… – egal. Es kann und darf, wer will. Und der Laden läuft so prächtig wie die Bilanzen. 

Auch Sprache kann töten

Gar nicht prächtig ist das für uns. Denn der rationale Diskurs leidet. Und das gefährdet die liberale Demokratie. Das wiederum ist das große Ziel der Rechten. Deshalb bewegen sie sich (leider meisterlich) auf dem digitalen Tableau – und erheischen Kommentare, die dunkelsten Abgründen und Zeiten ähneln. 

Und was macht das mit uns? Auch Sprache kann töten. Deshalb: Bleiben wir achtsam – und vor allem lebendig!