Liebe Leute,

Kommunikation ist nicht alles, aber mitentscheidend für Wohl und Wehe. Kanzlerin Merkel ist dafür ein nahezu perfektes Beispiel.

Politische Bewertungen ihrer Amtszeit gibt’s ja derzeit zuhauf. Und man mag zu ihr stehen, wie man will. Doch sie hat in stürmischen Zeiten Kurs gehalten. Sie hat für Stabilität gesorgt. Die Wirtschaftsdaten sind prächtig. Ihre Reputation in der Welt ist ausgesprochen positiv. Und doch: Für die Rechten ist Merkel zur Hass-Figur geworden. Gemäßigte Kreise schütten eimerweise Häme aus. Selbst Teile ihrer Partei rupfen sie wie ein Hühnchen… Derlei wird ihrer Leistung und ihrer Persönlichkeit nicht gerecht. 

Ohne Emotion geht es nicht

Der massive Bruch kam mit den Flüchtenden. Selbst von Linken, zumindest von allen Humanisten gestützt, verlor Merkel nicht nur die Konservativen im Land, sondern eben auch jene, die in all dem (vermeintlichen) Trubel in der Welt sich nach Führung sehnen. 

An der Kommunikation liege es nicht, meinte Merkel dieser Tage, als sie ihren Rückzug vom Parteivorsitz verkündete. Doch! Auch!

Merkel, die sachlich-nüchtern analysierende, ja schon fast wissenschaftlich agierende Physikerin, hat ein zunehmend größeres Vakuum selbst geschaffen. So wichtig, ja unersetzlich Verstand und Vernunft in der Politik auch sind, so richtig ist doch auch: Ohne Emotion geht’s nicht. 

Erstaunlich ist, dass selbst alte Haudegen die Gefühlswelten so sehr missachten. Der Mensch ist viel mehr als Ratio. Wer meint, Weichenstellungen seien das Ergebnis von durchweg sachlicher Abwägung, liegt falsch. Das hat die Hirnforschung längst bewiesen. Das muss wissen oder lernen, wer Erfolg haben will. Andernfalls erreicht man/frau die Menschen nicht.

Selbst Lügen nicht gefährlich

Will heißen: Kommunikation, die gelingen soll, muss (auch) Emotionen bedienen. Kommunikation braucht (auch) emotionale Botschaften. Das beherrschen die Rechten, besonders die Nationalisten und Faschisten unserer Zeit, leider ziemlich gut – und zwar so gut, dass ihnen selbst Lügen nicht gefährlich werden. 

Um es einmal so auszudrücken: Brot allein macht nicht satt. Die Menschen sind zwar bereit, nur Brot zu essen – aber sie müssen wissen und davon überzeugt sein, warum sie es tun. Und selbst in einem so wohlhabenden Land wie bei uns: Die Menschen wollen erreicht, mitgenommen, bewegt werden. Sie wollen wissen und fühlen: Wohin? Warum? 

Zuversicht, ja Begeisterung mit Inhalten, ja Werten zu wecken – das ist Merkel nicht (mehr) gelungen. DAS ist der Grund fürs Ende.