Baden-Baden (ohje) – Man versteht’s erst nach ungefähr 100-maligem Vorbeifahren. Jetzt aber sind die bunten Schilder des „Verkehrsleidsystems“ unter Denkmalschutz gestellt worden. 

Damit hat das Landesdenkmalamt gestern für eine faustdicke Überraschung gesorgt. In der Begründung der Behörde ist von „einem auffälligen und herausragenden Zeugnis frühzeitlicher Versuche, den Verkehr zu lenken“, die Rede. Die Vergeblichkeit des Bemühens spreche nicht gegen die Anerkennung als Kulturdenkmal.

Kunst- und kulturhistorisch seien Anklänge sowohl an den Bauhaus-Stil als auch an den Dadaismus augenfällig, heißt es in der Begründung weiter. Auch leise Spuren von Hundertwasser seien zu erkennen – vor allem farblich. Konzeptionell zeichnen sich die Schilder durch die gelungene Integration der „zielgenauen Pfeile“ aus: Das spreche für eine tiefe Beschäftigung im Umgang mit dem motorisierten Verkehr. Dass man die Hinweise auf den Schildern auch nach mehrmaliger Vorbeifahrt nur schwer bis gar nicht begreift, sei zwar begreiflich, müsse aber bei einem „Zeugnis der automobilen Frühgeschichte“ hingenommen werden.

Ein neues, digital gestütztes Leitsystem ist seit vielen Jahren in Planung (Tatsache!). Jenes soll nun im Herbst dieses Jahres installiert werden. Die Kosten: sage und schreibe voraussichtlich 2,9 Millionen Euro (Tatsache!).  Doch ob es angesichts der Tallage und des zunehmenden Verkehrs gelingt, den Verkehr zu lenken? Stichwort: wohin?

Seit gestern weiß man aber: Durch die Entscheidung der Denkmalbehörde müssen die bestehenden Schilder irgendwie in das neue System mit fast 90 neuen Schildern (Tatsache!) integriert werden. Problem: In der Verfügung zur Denkmaleigenschaft ist nicht nur der Erhalt der Schilder fixiert worden, sondern auch die Erneuerung der Farben „im historischen Kontext“. Das aber will der zuständige Bürgermeister Alexander Uhlig nicht: „Notfalls hängen wir wasserdichte Planen über die Schilder, damit das Kulturdenkmal keinen Schaden erleidet. Da kenne ich nichts.“

PS: Baden-Baden ist tatsächlich noch immer Kurstadt. Vergessen? Der Individualverkehr rollt ungebremst.

(Vorsicht: Satire!)