Liebe Leute,

ob Rezepte wie „Nudelauflauf mit Klopapiersoße“ oder kunstvoll arrangierte Fotos mit Toilettenpapierrollen: Satire satt in Zeiten von Corona. Quasi aufgespießt: die Hamsterer. Was zeigt sich da? Was lehrt es über uns? Versuch einer Annäherung, der tatsächlich zum Allerwertesten führt…

Dass ich eines Tages der Neigung erliege, etwas über und zu Klopapier zu schreiben – diese Tatsache hätte mich noch vor wenigen Wochen herzhaft lachen lassen. Doch: Das Hamstern dieses mehrlagigen Zellstoffs ist nur die Spitze des, nun ja: Eisbergs. Früchte in Dosen, Mehl, Hygieneartikel – beliebt. Aber warum T-Papier? 

Typisch deutsch? Falsch!

Das habe ich mehrfach beim (vergeblichen) Versuch, eine Packung zu ergattern, gefragt. Die Antworten waren unbefriedigend: Sie reichten von „Durchfall“ bis „Vorrat“. Damit begann eine Recherche. Die erste Erkenntnis: Wer meint, das Horten von Scheißpapier sei nun mal typisch deutsch, liegt falsch. Der Kampf um’s Klopapier ist international weithin üblich. 

Meine Recherche im Netz lieferte schnell erste Ansätze für eine Erklärung: Nicht wirklich überraschend, landete ich gewissermaßen mitten in der Psychologie. An Sigmund Freud führt (noch immer) kein Weg vorbei. So lehrt uns der Begründer der modernen Psychologie: Nach der oralen Phase folgt die anale im zweiten und dritten Lebensjahr. In dieser analen Phase passiert viel Positives: Wir lernen Kontrolle, wir gewinnen Selbstvertrauen und wollen Selbstständigkeit. Wenn da die Eltern nicht wären… 

Kontrollverlust und Ohnmacht

An diesem Punkt meines Klärungsversuchs habe ich einen sehr erfahrenen promovierten Psychologen angerufen. Dass er seit Jahren ein Freund von mir ist, ist auch in diesem Fall herrlich gut.

Mein Freund: „Alle haben Angst, die einen mehr, die anderen weniger. Und jeder geht anders damit um. Die einen werden von der Angst überschwemmt, andere bewältigen Angst mit Vernunft und Verstand.“ 

Aber warum Toilettenpapier? Nun, damit wieder zur erwähnten analen Phase, in der nun mal auch so einiges schiefgehen kann, das später folgenreich ist – und von Pedanterie bis zu (krankhaftem) Leistungszwang führt. Und eben zur Angst vor Kontrollverlust und zu großen Gefühlen der Ohnmacht im Zeichen eines ziemlich winzigen Virus: „Das wird versucht, durch das Hamstern abzuwehren.“ 

Späße auch Abwehr der Angst

Und was ist mit jenen, die sich mit geposteten Nudelgerichten und Fotos über die hamsternden Menschen mokieren? Mein Freund: „Die haben auch Angst. Sich lustig machen, ist auch eine Abwehr der Angst.“ 

Angst haben wir also alle. Während die einen mit Rationalität und auch Späßen ihre Angst bekämpfen, räumen die anderen die Regale leer. Das führt zu Versorgungsengpässen. Jene müsste es nicht geben. Und deshalb gibt’s so viele Appelle an die Vernunft der Menschen. Doch ob jene überhaupt erreicht werden, die von Angst und Ohnmacht getrieben sind, aber es gar nicht wissen?  

Ich bezweifle das. Und genau deshalb sind klare Regeln und klare Vorgaben nötig – gerade in Ausnahmesituationen. Denn gerade dann ist Zeit zur Bewährung: Ohne Humanität und Gemeinsinn ist alles nichts. Notfalls eben per Gesetz.