Liebe Leute,

der Männer liebstes Kind ist: das Auto? Zwischen den Verbrenner-Liebhabern und den Fans der E-Mobilität ist ein verbaler Krieg ausgebrochen. Es kursiert viel Unsinn.

Zu den Wahrheiten zählt: In den Städten muffelt es gewaltig. Daran hat der Straßenverkehr einen veritablen Anteil. Und ob in Stuttgart oder in Mailand oder anderswo: Schadstoffe belasten Umwelt und Menschen. Bestreiten kann das niemand. Eigentlich.

Aber: Selbst ernannte oder tatsächliche Experten hauen sich ihre gegenteiligen Auffassungen gnadenlos um die Ohren. Zwischenzeitlich melden sich auch Philosophen zu Wort – wie etwa Richard David Precht. Er zieht gegen E-Autos zu Felde. Darf er natürlich. Ich persönlich denke immer: Schuster bleib’ bei Deinen Leisten. 

Wenn Kinder schuften…

Fakt ist indessen auch: Schon am Beispiel des Feinstaubs wird’s für Laien kompliziert. Rund die Hälfte dieser durchaus gefährlichen Partikel stammen vom Verkehr. Doch nur rund ein Viertel kommt aus dem Auspuff –  der Rest unter anderem vom Abrieb der Reifen und der Bremsen, auch von E-Autos. 

Wahr ist aber ferner: Wer die Ausbeutung von Kindern beim Abbau etwa von Kobalt im Kongo beklagt, den muss man schon darauf hinweisen, dass das Erdöl auch nicht schmerzfrei vom Himmel fällt. Und Kobalt steckt in zahlreichen anderen Produkten. Zumal: Kinder schuften beispielsweise auch für unsere billigen Klamotten…

Hoheit an (virtuellen) Stammtischen

Doch um Wahrheit und Klarheit geht’s natürlich leider gar nicht. Es geht um die Hoheit am Stammtisch – und von jenen stehen virtuell recht viele in den digitalen Medien herum. Leider auch in den gedruckten Blättern. Da wird immer wieder mal ein „Experte“ hochgekocht – ohne zu hinterfragen. Und der Laie – bleibt verlassen und verloren. 

Tatsächlich aber gibt’s zwischenzeitlich durchaus sehr verlässliche wissenschaftliche Untersuchungen – dazu zählt etwa auch eine Analyse vom ADAC. Ergebnis: So einfach, wie es sich viele machen, ist es nicht. Je nach Modell, je nach Laufleistung gibt’s gehörige Unterschiede. Mal schwingt das Pendel für einen Verbrenner, mal für ein E-Auto. Doch auch an dieser Studie gibt’s Kritik.

Und in der Tat gleicht es ja einem Treppenwitz, die Antriebe von Autos nur im Betrieb zu vergleichen. Man muss beispielsweise berücksichtigen: Das Benzin muss zur Tankstelle. Die Produktion einer Batterie verschlingt ungeheuer viel Energie. Und, und, und… 

Grüner Strom macht E-Autos gut

Gewiss ist allerdings: Wenn der Strom durchweg aus erneuerbaren Quellen kommt, ist das E-Auto am umweltfreundlichsten. Vor allem: keine Emissionen im Betrieb. Soweit sind wir aber (leider) noch lange nicht. Und: Wer alle zwei, drei Jahre ein neues E-Auto kauft oder least, tut der Umwelt in der Gesamtbilanz nichts Gutes – dann ist es besser, weiter mit der „alten“ Kiste zu fahren.  

Komplex – trotz einfacher Sprache und Darstellung? Ja. Denn simple Antworten kennt auch die Mobilität nicht. Aber wenn sich die Kontrahenten zuhören und ehrlich miteinander diskutieren würden, gäbe es zumindest mehr Klarheit und Wahrheit.

Und womöglich setzt sich die Brennstoffzelle doch noch durch: Die Schweiz rüstet sich gerade – für den Wasserstoff-Lkw…