Liebe Leute,

die Kliniken in Baden-Baden und im Landkreis Rastatt: erhalten oder schließen – und stattdessen ein zentraler Neubau? Das soll per Gutachten geklärt werden. Gut möglich also, dass die aktuellen Standorte in Baden-Baden, Bühl und Rastatt bald, genauer: in ein paar Jahren nur noch Vergangenheit sein werden.

Dazu fallen mir spontan ein paar journalistische Stilblüten ein: Die Katze ist aus dem Sack. Es werden Nebelkerzen geworfen. Und der Eiertanz, besser: die Eiertänze beginnen.

Schon der Auftakt, den ich heute in der Zeitung las, lässt mich schmunzeln: Natürlich sei nichts entschieden, die Gutachter hätten keine Vorgaben, ob drei oder zwei Standorte oder nur ein Neubau irgendwo… Aber natürlich seien die aktuellen Standorte veraltet und überhaupt… Noch mehr schmunzeln muss ich deshalb: Hinter den Kulissen wurden die genannten Planspiele längst diskutiert. Und was jetzt in die Wege geleitet wird, ist anderswo schon Geschichte – zum Beispiel in Offenburg. Dort wird im Zuge der Neuordnung der Kliniklandschaft unter anderem ein Neubau mit Maximalversorgung entstehen.

Schleichender Tod

Natürlich wird es bei uns in Mittelbaden und mithin der gemeinnützigen (!) Klinikum Mittelbaden GmbH, getragen von Baden-Baden und dem Landkreis Rastatt, kaum anders kommen. Warum? Weil „d i e“ Politik in Bund und Land im Verein mit den Krankenkassen es so will. Denn: Viele kleine Kliniken verursachen hohe Kosten – und rechnen sich schon lange nicht mehr. Und viele, ja sehr viele Häuser schleichen ihrem Tod entgegen – nur am Leben gehalten mit jährlichen Zuschüssen in Millionenhöhe. Wie bei uns. Mit Steuergeld. Und selbst mit zum Teil sündhaft teuren Umbauten und „Strukturanpassungen“ – wie bei uns ständig in den vergangenen Jahren – sind die Häuser nicht (mehr) wirtschaftlich zu betreiben. Das sind die Fakten. 

Wahrheit schmerzhaft

Nun kann man oder frau Zeter und Mordio brüllen. Weil es ganz viel Zeter und Mordio geben wird, werden wir die genannten Eiertänze erleben samt geworfenen Nebelkerzen – und zwar auch von jenen, die irgendwann entscheiden müssen. Denn Wahrheiten sind mitunter schmerzhaft – für Bürger und mithin die Wähler. Aber auch jene, die mitreden (wollen) und es (vermeintlich) besser wissen, vielfach aber doch nur ihr eigenes (politisches) Süppchen kochen, werden die Fakten mit ganz besonderen Meinungen anreichern… Irgendwann wird es dann Bürgerversammlungen geben… Und Protest… Und Tränen… So ist es (fast) überall. Und so wird es auch bei uns sein. 

Ich selbst, liebe Leute, habe eine klare Haltung: Mir ist völlig egal, wo die Klinik steht, in die ich im Krankheitsfall muss. Aber ich will optimal medizinisch versorgt werden. Und genau das ist in kleinen, nicht spezialisierten Häusern, die oft einem Gemischtwarenladen gleichen, längst nicht mehr der Fall. Dass indessen letztlich der Mensch immer Vorrang vor Rentabilität haben muss, darf nie infrage gestellt werden.

Doch wie auch immer: Es wird emotional werden – sehr sogar. Mit Nebelkerzen und Eiertänzen. Die Katze ist schon da…