Liebe Leute,

vor rund zwei Wochen habe ich meinen Augen nicht getraut: Angebote für Obst und Gemüse „kriminell günstig“. Lese ich richtig, fragte ich mich und ging der Werbetafel entgegen. Ich hatte mich nicht verguckt: Neben spottbilligen Angeboten aus Spanien gab’s auch Frühkartoffeln aus Ägypten… – 1,5 Kilogramm für gerade einmal 1,59 Euro.  

Ich war fassungslos über diese Kommunikation der ganz besonderen Art. Weniger Tage später lese ich bei einem Discounter: Tomaten und Aprikosen „skandalös günstig“. 

So weit sind wir also schon, dass Marketingabteilungen und Werbetexter die absurde Realität zu Zwecken der Verkaufsanimation unverhüllt und unverhohlen frech nutzen: „kriminell“ und „skandalös“…

Justiziabel und mithin „kriminell“ im klassischen Sinne ist der Verkauf von Kartoffeln aus Ägypten natürlich nicht. Aber auch diese Praxis fügt sich ein: In Ghana bleiben die Kleinbauern auf ihren Tomaten sitzen, weil Tomaten aus der EU den Markt fluten. Flüchtlinge aus Afrika wiederum schuften für Hungerlöhne fast wie früher Sklaven in Süditalien und Südspanien auf Großplantagen. Und wir essen Kartoffeln aus Ägypten… Aus einem Land also, in dem keine Kartoffeln wachsen würden ohne das wertvollste Gut, das es in der Wüste gibt: Wasser. 

407 Liter Wasser – pro Kilo

Laut der Zeitschrift Öko-Test verbrauchen ägyptische Landbauern durchschnittlich 407 Liter Wasser – pro Kilogramm Kartoffeln! Bei uns gedeihen Kartoffeln auch ohne Wasser aus dem Hahn – in einigermaßen normalen Jahren. Schlimmer noch: Die ägyptischen Kartoffeln sind trotz des Transports günstiger als die regionalen. Ein „fatales Signal“ nennt das die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. 

Ganz ähnlich übrigens beim Spargel: Die Stengel aus Peru sind in der Regel günstiger als die badischen. Und verschärfen damit den Druck auf die heimischen Produzenten, die unter anderem immer schwieriger Erntehelfer finden. 

Ich gebe zu, dass ich auch schon mal eine Papaya gekauft habe, weil ich in diesem Augenblick weder verzichten wollte noch konnte. Doch ich käme nie auf die Idee, ägyptische Kartoffeln zu kaufen. Mithin achte ich darauf, dass wenigstens die frischen Waren einen regionalen Bezug haben. Alles andere wäre wohl in der Tat zwischenzeitlich mindestens ein Beitrag zur Aufrechterhaltung einer „skandalösen“ Praxis. Oder doch „kriminell“?