Liebe Leute,

heute möchte ich von einer Erfolgsgeschichte erzählen. Es geht um Störche – und dabei gehört Klappern ja bekanntlich zum Handwerk… Eine Geschichte, die ohne Menschen wie Stefan Eisenbarth nicht möglich wäre. 

Seit nun zehn Jahren ist der 58-Jährige aus Gernsbach im Murgtal im Einsatz – ehrenamtlich. Er ist ein Storchenpapa. Korrekt: Storchenbetreuer. Stefan Eisenbarth kümmert sich um rund 50 Brutnester – zwischen dem Süden von Karlsruhe und Iffezheim, aber auch in Baden-Baden. Unter der Woche mit Unterstützung der Gemeinden und Städte – denn er muss ja hoch. Und zwar ziemlich hoch hinauf. Mit dem Hubsteiger. 

Wenn er kommt, hauen Storchenpapa oder -mama erst einmal ab. In sicherer Entfernung beobachten sie, wie sich Stefan Eisenbarth dem Nest nähert. Derweil stellen sich die kleinen Weißstörche: tot. Regungslos liegen die zwei Jungstörche da: „Sie fallen in eine Starre“, sagt Stefan Eisenbarth.

Nesttreu, aber nicht paartreu

Das ist ziemlich praktisch. Denn beide bekommen einen Ring – mit einer Kombination aus Buchstaben und Ziffern. So können die beringten Störche identifiziert werden: etwa in Spanien. Immer, wenn das passiert, erhält Stefan Eisenbarth eine Nachricht. Klar, dass er sich freut, wenn ihn Rückmeldungen erreichen. So weiß er beispielsweise, dass ein von ihm beringter Storch aus Illingen mittlerweile zwölfmal in Spanien gewesen ist – und immer wieder an den Rhein zurückkehrt: „Störche sind nesttreu, aber nicht paartreu.“ 

Also bekommen auch die beiden Jungstörche ihr Erkennungszeichen oberhalb des Kniegelenks. Das geht rasch. Und natürlich schmerzfrei. Noch schnell in den Schnabel gucken, ob der Babystorch gesund ist – und hinab geht’s. Kaum unten, fliegt die Storchenmama wieder zu ihrem Nachwuchs. 

Wenig später trägt Stefan Eisenbarth die vergebenen Nummern und Buchstaben auf dem Meldungsbogen ein – und sendet die Daten an die Vogelwarte Radolfzell am Bodensee. Jene sorgt für die Koordination in ganz Baden-Württemberg. Und deshalb weiß man ziemlich exakt, wieviele Störche es im Ländle gibt: im vergangenen Jahr immerhin 1197 freifliegende Storchbrutpaare und 2528 Jungstörche von flugfähigen und nicht flugfähigen Paaren. 

1975 gab’s nur noch 15 Paare

Und das ist der Beweis. 1946, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden nur 181 Storchenbrutpaare in Baden-Württemberg gezählt. 1975 gab’s gerade mal noch 15 – in Worten: fünfzehn! Der Bestand erholte sich danach erst langsam, aber schließlich sehr kontinuierlich – unter anderem dank der Ausweisung von Naturschutzgebieten. Neuer Lebensraum!

Stefan Eisenbarth weiß: „Die Menschen finden die Störche toll.“ Für ihn selbst ist der Weißstorch denn auch eine Leittierart. Leittierart? „Ja, mit Störchen ist Naturschutz zu machen. Und das dient vielen anderen Arten und kommt vielen zugute, etwa den Heuschrecken.“ Derlei Getier hat es nicht so leicht, Emotionen zu wecken. Und klappern können sie auch nicht…