Liebe Leute,

die Geschütze sind geladen – es droht Gefahr. All’ das, was wir schätzen, ja lieben, was wir an Selbstverständlichkeiten in Kopf und Herz tragen – Rechtsaußen hat die Lunte längst gelegt. Jetzt brennt’s (auch) in Italien. 

Das ist gewiss nicht neu. Und ich gebe zu, dass ich als italophiler Mensch etwas mehr Betroffenheit fühle als – sagen wir mal: wegen Ungarn oder Polen. Doch auch meine ganz persönliche Furcht nimmt zu, dass uns Europa um die Ohren fliegt.

Die Diagnose beim Blick auf Italien ist nicht so furchtbar schwierig: Viele Menschen sind der (abgewählten) Politiker überdrüssig. Lösungen für das offensichtlich Notwendige gab es nicht. Die Politik hat versagt. Korruption, Machtmissbrauch, Verschwendung, mafiöse Strukturen. Der Schriftsteller und Journalist Roberto Saviano beschreibt das in seinen Schriften mit einer Schärfe, die man – auch das sei zugegeben – zumindest manchmal gar nicht wahrhaben will.

„Finsternis ist gut“

Nein, ich zähle nicht zu den Apokalyptikern und nicht zu jenen, die Freude an der Verbreitung schlechter Nachrichten und Stimmungen empfinden. Und man darf zurecht fragen, was dieser Text mit Kommunikation zu tun hat… Die Antwort: viel.

Und es ist ein Verdienst von (wenigen) Autoren, die auf die Zusammenhänge hinweisen. Beispielhaft sei die Arte-Doku „Italien und die Populisten: Europa in Gefahr?“ genannt. 

Das Fragezeichen darf, ja hätte man getrost durch ein Ausrufezeichen ersetzen können, ja müssen. Denn in dieser Doku wurde die Kooperation der Lega Nord und ihres populistischen Volkstribuns Matteo Salvini mit Steve Bannon, ehedem Einpeitscher und Spalter von Trump, aufgezeigt. Wie meinte Bannon doch im Jahr 2016: „Finsternis ist gut. Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht. Es kann uns nur helfen, wenn sie [die „Liberals“] es falsch verstehen. Wenn sie blind dafür sind, wer wir sind und was wir tun.“ 

Sorgen wir für lebendige Worte

Und vor wenigen Wochen schrieb Thomas Assheuer so klug wie kaum ein anderer in der „Zeit“ über Bannons Plan, der in den USA erfolgreich war und nun in Europa ausgerollt wird: „Wenn es gelingt, den Bürgern in einem Ozean der Banalitäten das Hirn auszuwaschen, wenn es gelingt, in einem stream of content die Grenze zwischen Wahrheit und Unwahrheit fortzuspülen – dann wird der Raum der völligen Sinnlosigkeit entstehen. In diesem Raum werden die Menschen von einem Weltekel überwältigt, der so umfassend und toxisch ist, dass niemand den Medien noch irgendetwas glauben wird.“ Und – ein kluger, ja wuchtiger Satz über die Ziel der rechten Demagogen: „Wenn die vergifteten Wörter wie tote Fische am Strand liegen, dann entsteht jene metaphysische Leere, in der sich rechte Politiker als sinnbringende Erlöser heroisch in Szene setzen können.“ 

Tote Fische – sie liegen längst täglich am Strand. In den sozialen Medien und anderswo. Nicht nur die Publizistik, sondern jede und jeder ist täglich gefordert: Sorgen wir für lebendige Worte.