Es geht um „Flügel-Freunde“ – und einen jungen Mann als „Versammlungsführer“… Die zitierten Worte stammen aus einem Interview, auf das mich ein Freund aufmerksam gemacht hat. Es handelt sich um ein Gespräch zwischen dem AfD-Kreisvorsitzenden Joachim Kuhs und einer kurstädtischen Online-Plattform. Platt war ich – nach der Lektüre. Und zwar vor Entsetzen. 

Zum erwähnten „jungen Mann“ gleich noch etwas mehr. Vorab: Die AfD darf sich bei dieser Plattform über recht viel Publizität freuen. Ich selbst halte es indessen für journalistisch zwingend, gerade bei der AfD ganz genau hinzuschauen. Denn zum einen verbirgt sich unter dem Mäntelchen der Bürgerlichkeit viel zu häufig das Inhumane und Rechtsextreme. Zum anderen kann man längst wissen oder nachlesen, dass es einen mächtigen „Flügel“ bei den Rechtsaußen gibt. Nicht ohne Grund hat beispielsweise der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) – offenbar klug geworden – die AfD beim jüngsten CDU-Parteitag als „Feind“ der CDU und „neue NPD“ bezeichnet. 

In dem erwähnten Interview ist – leicht zu durchschauen – mehrfach vom „gemäßigten Lager“ die Rede. Doch Kuhs ist nicht nur Stadtrat in Baden-Baden, sondern Mitglied des EU-Parlaments, Vorsitzender der Christen in der AfD – und vor allem: Mitglied des Bundesvorstands der AfD. Er weiß also, oder muss es wissen, was in dieser Partei läuft, wer da agiert und wie – und warum. 

Wer sich nicht trennt, macht sich schuldig

Auf die Frage, wo er den neuen Vorstand nach den Wahlen der AfD Baden-Baden/Rastatt einordnen würde, antwortete Kuhs laut der publizierten Abschrift: „De facto sind wir immer im konservativ gemäßigten Lager gewesen, wobei wir bei uns sehr viele auch ,Flügel’-Freunde quasi haben, aber das ist bei uns kein Thema. Das hat noch nie etwas verursacht, hat noch nie eine Spaltung verursacht oder irgendwie eine interne Trennung.“ 

Tja, möchte man ausrufen, exakt das ist ein grundlegendes Versäumnis der AfD: Da tummeln sich tatsächlich „sehr viele“ Flügel-Köpfe, von denen man sich nicht trennt. Doch wer mit jenen in einer Partei gemeinsame Sache macht, dem muss man sagen: Du machst Dich schuldig! 

Jedenfalls verwandeln sich die „gemäßigten“, also bürgerlichen Kleider bestenfalls in jene eines Biedermanns, der nicht sehen oder hören will. Zwischenzeitlich denke ich ohnehin, dass die Biedermänner in der AfD nicht weniger gefährlich sind als die verbalen Brandstifter namens Höcke und Co. Denn sie öffnen die Türen… 

Wer bürgerlich redet, ist es noch lange nicht

Und damit zum „jungen Mann“ und „sehr souveränen Versammlungsführer“ (O-Ton Kuhs): Jener heißt laut Interview Moritz Brodbeck. Und er ist der ehemalige Vorsitzende der „Junge Alternative“ Baden-Württemberg, mithin der Jugendorganisation der AfD, die eng mit der sogenannten „Identitären Bewegung“ verbunden ist. Und auch die „Junge Alternative“ wird seit 2018 vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Verfassungsschutz sieht unter anderem extremistische Bestrebungen. 

Mithin: Es ist wichtig und richtig, dass der Verfassungsschutz genau hinschaut – endlich. Das ist im Übrigen auch ein Gebot professioneller journalistischer Arbeit. Mehr davon – vor allem auch lokal! Denn wer sich bürgerlich kleidet und so redet, ist es noch lange nicht.

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