Liebe Leute, 

mit den Schwaben kenne ich mich nicht wirklich aus… Wenn ich richtig informiert bin, sagt man ihnen einen gewissen Hang zum Besen und mithin zum Fegen nach. Das ist hier auch so. 

Wahrscheinlich – ich weiß es nicht mehr genau – hat irgendein Schreiberling exakt deshalb festgestellt: Die Kapverdianer sind die Schwaben Afrikas.  

Tatsächlich habe ich noch nirgendwo so viele Menschen mit Besen gesehen. Fast immer sind’s Frauen. Oft auch im öffentlichen Auftrag. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. So richtig gefegt wird eigentlich überall – auf öffentlichen Plätzen und Straßen genauso wie vor der eigenen Haustür. Natürlich, je größer die Städte, desto „unordentlicher“ wird’s – wie bei uns daheim.

Landflucht und Migration

Wer etwa fernab des für Fußgänger reservierten Boulevards in Praia, Hauptstadt der Kapverden auf der Insel Santiago, durch die bebauten Hügel bis in die Armutsviertel streift, kapiert schnell: Stadtentwicklung braucht ein klares Ziel – und massiver Zuzug überfordert. Landflucht gibt’s eben überall. Und Migration. Und die Hoffnung auf ein besseres Leben… 

Hier auf Maio, wo ich im vergangenen Jahr schon einmal war, gibt’s derlei nicht. Cidade do Maio, tatsächlich mit jetzt wohl rund 4000 Einwohnern „Hauptstadt“ der Insel (gesamt rund 8000), ist in dessen Kern geprägt von eher kleinen Häusern in traditioneller Bauweise – oft sehr bunt. In den Straßen spielen Kinder – gefahrlos, denn eigene Autos haben die Einheimischen in der Regel nicht. Abends sitzt man auf den Treppen – und plauscht miteinander. Ein Idyll…

Glücksritter und Spekulanten

Um das alte Zentrum herum schießen indessen die Neubauten wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Und viele Europäer klotzen so richtig. Darunter Italiener genauso wie Deutsche. Auch Glücksritter und Spekulanten sind darunter. Und solche, die sich schon fast kolonial verhalten… 

Auch Maio wird also aufpassen müssen. „Noch“, wie es auch in den aktuellsten Reiseführern heißt, ist Maio indessen ein ganz außergewöhnliches Refugium: Die besondere kapverdische Mixtur aus Afrika und Europa lebt „noch“. Wer Ruhe, Einsamkeit, mehr Meer und mithin Strandspaziergänge sowie die wohltuende kapverdische Gelassenheit sucht und liebt, fühlt sich wohl. 

Im Übrigen – und damit zurück zu den Schwaben: Musik ist ein bedeutender Teil der kapverdischen Kultur, meist geprägt von lebensbejahender Melancholie. Und man kann hier Frauen, die auf staubigen Wegen ihre Waren auf dem Kopf tragen, singen hören… Insofern glaube ich, dass der Vergleich mit den Schwaben hinkt. Aber ich kenne die Schwaben vielleicht nicht… 🙂