Liebe Leute,

ganz schlicht ist’s meistens am besten: Wie wir leben und wirtschaften, das schadet der Erde. Die Mehrheit der Menschen in unserem Land hat das verstanden. Die Minderheit nicht. Wer dazu zählt, ärgert sich jetzt maßlos – oder hört auf zu lesen. Schade. 

Dass die Art und Weise, wir wir leben und wirtschaften, der Erde schadet, das kann man spätestens seit den ersten Veröffentlichungen des Club of Rome wissen. Lange ist’s her. Doch grundsätzlich geändert hat sich wenig. Die Mehrheit ist bewusster geworden, ja. Und die Politik hat einiges getan. Doch es reicht nicht. Auch das wissen wir inzwischen. 

Wir leben nicht auf einer Insel

Würden wir auf einer Insel mit wenig Außenkontakt leben – nun ja, wir könnten relativ schnell handeln und unsere Art und Weise zu leben und zu wirtschaften ändern. Wir leben aber auch nicht im Wald und ernähren uns von Nüssen und Tieren, die uns gerade über den Weg laufen. Wir leben in einem hochentwickelten Industrieland, das mannigfaltig von der globalisierten Wirtschaft profitiert. Deshalb können wir die Welt allein nicht retten. Und deshalb gibt es keine einfachen Antworten.

Die Mehrheit indessen weiß, dass wir so wie bisher nicht weitermachen können. Und die Mehrheit, da bin ich sicher, würde gerne so leben und wirtschaften, dass die Erde möglichst wenig oder gar nicht belastet wird. Das aber ist derzeit unmöglich. Es braucht andere Rahmenbedingungen – auch für jeden einzelnen. 

Klimapaket: Annahme verweigern

Gleichfalls stimmt auch: Im weltweiten Vergleich ist der Lebensstandard in Deutschland extrem hoch – ebenso die soziale Absicherung. Will heißen: Das Geld dafür muss erwirtschaftet werden. Will ferner heißen: Die Transformation, also das Umsteuern braucht Zeit. 

Dennoch: Das sogenannte Klimapaket der Bundesregierung ist zwar noch nicht ausgeliefert – vorsorglich plädiere ich aber dafür, die Zustellung und Annahme des Pakets zu verweigern. Selbst Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist nicht glücklich. Denn:

  • Ärmere Menschen werden vergleichsweise stärker belastet als gutverdienende.
  • Auch von der höheren Pendlerpauschale profitieren diejenigen, die höhere Steuern zahlen, mehr.
  • Eine sozial gestaffelte Klimaprämie, die höhere Energiekosten ausgleichen könnte, gibt es nicht. 
  • Eine Erhöhung der Luftverkehrsteuer um drei Euro ist lächerlich gering. Niemand hockt deshalb in die Züge, die sowieso überfüllt und/oder nicht pünktlich sind… 

So gewinnt man keine Menschen

Die Steuerungswirkung ist also denkbar gering. Doch das Paket sorgt dennoch für viel Ärger. So gewinnt man die Menschen nicht. So sorgt man nicht für Aufbruch – in eine Zukunft, die tatsächlich Chancen bietet: Eine schärfere Klimaschutzpolitik löst Innovationen aus, sorgt mithin für einen Schub – auch im Hinblick auf Arbeitsplätze. Nur ein Beispiel: Eine langlebige Waschmaschine, die repariert werden kann, schont auch Umwelt und Ressourcen. Die EU-Kommission hat übrigens genau das kürzlich auf den Weg gebracht. So geht’s!

Fernando Pessoa, der große portugiesische Autor, schreibt im „Buch der Unruhe“: „Den Kuchen, den man bewahren will, kann man nicht essen.“ Klimafragen waren damals, lange vor dem Zweiten Weltkrieg, noch kein Thema. Aber besser formulieren kann man es nicht. Denn: Der Kuchen ist unsere Erde… Ganz einfach. Eigentlich.