Liebe Leute,

wie geht’s Euch so? Nach der morgendlichen Lektüre von zwei Tageszeitungen und zwei führenden Online-Plattformen drängen sich derzeit drei Varianten auf: weinen, lachen – oder wieder ins Bett gehen. 

Der von „Weisheit“ gesegnete Trump, der „Hulk“ Johnson, Erdogan und eine EU, die sich lächerlich macht, der Brexit… Lügen statt Wahrheiten, Behauptungen statt Tatsachen, Gefühle statt Vernunft. 

Man könnte fusselig werden. Zumal die Fülle der Nachrichten und die Anzahl der Meldungen ständig zunimmt – und die Einordnung ab. Das setzt sich auf digitalen Plattformen wie Facebook verstärkt fort. In etwa so, als gelte es, die Lufthoheit am Stammtisch zu gewinnen…

Meinungen werden zu Fakten

An Lügenbeuteln, Besserwissern, Rechthabern und Moralaposteln mangelt es nicht. Im Privaten kann man diese Leute stumm schalten. Doch die Art, wie diese Leute agieren, versaut die öffentliche Debatte. Und in den digitalen Medien ist kein Korrektiv mehr. Selbst renommierte Verlage und Sender moderieren ihre Kommentarspalten oft völlig unzureichend. 

Das Grundproblem aus meiner Sicht: Meinungen werden zu Fakten. 

Zu meinen Grundregeln zählt: Bevor ich eine Meinung äußere, muss ich mich schlau machen. Und es könnte sein, dass eine andere Meinung richtig ist. 

Gerade die digitalen Medien funktionieren natürlich völlig anders. Es ist längst egal, ob etwas stimmt oder nicht. Und damit ist jeglicher Versuch im Kern vereitelt, so etwas wie eine Basis für einen Konsens zu erzielen.  

Wertverlust von Kompetenz

Nun könnte man sagen: Ja nun, das ist politisches Geschäft. Nein, ist es nicht. Es hat mit Haltung zu tun! Und das hat eine gesellschaftspolitische Dimension: Wenn jeder meint, Recht zu haben, und auch dann noch meint, recht zu haben, wenn das Rechthaben offensichtlich falsch ist, dann verliert das an Wert, was tatsächlich richtig ist. 

Damit einher geht ein Wertverlust von Kompetenz und der Achtung davor. Etwa vor den Erkenntnissen der Wissenschaft. Dafür ist die Debatte über den Klimawandel ein gutes Beispiel.

Gefühlsduselei

Es ist ja längst gang und gäbe geworden, sich digital auszukotzen – fernab von der Treue zu Fakten. Und es wimmelt vor Menschen, die uns Tag um Tag mit ihren Gefühlen behelligen. Und deshalb wäre Zeit zur Umkehr: Politik und Gesellschaft sowie die Debatte über Lösungen brauchen eine Grundlage. Jene sind Vernunft und Verstand – im Wissen um Gefühle, die oft fehlleiten. Deshalb gilt es, zumindest im Politischen, sich davon (möglichst) freizumachen. Nur so lässt sich ein gedeihliches Zusammenleben gestalten. Nur so.