Liebe Leute,

garantiert: Wer dieses Buch liest, sieht die Welt mit anderen Augen. Und das Leben! „Factfulness“ müsste zur Pflichtlektüre erklärt werden – für die politische und journalistische Zunft, für Menschen, die sich engagieren, für Menschen, die immer wieder an der Welt zu verzweifeln drohen, mithin für alle, die bereit sind, ihr Denken, ihre Meinungen zu überprüfen, die offen sind für neue Aspekte.

„Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“ – so lautet der Untertitel des durchaus leicht zu lesenden, mithin gut verständlichen, jedoch auch psychologisch tiefen Werks von

 

Hans Rosling. Es ist gewissermaßen sein Vermächtnis: Im Wissen um seinen nahen Tod hat der Professor für Internationale Gesundheit und Gründer der weltweit renommierten Gapminder-Stiftung an diesem beeindruckenden und bewegenden Buch geschrieben – bis zuletzt.

Rosling zählte zu den weltweit einflussreichsten Wissenschaftlern. Zunächst als Arzt in der Entwicklungshilfe tätig, hielt er später Vorträge vor hochrangigem Publikum. Doch ob beim Weltwirtschaftsforum in Davos, ob vor UN-Gremien, ob vor Nobelpreisträgern oder vor Studenten: Er war überrascht, ja entsetzt, wie wenig seine Zuhörer wussten. Schlimmer noch: Fast durchweg hatten die Zuhörer noch nicht einmal eine Ahnung von positiven Entwicklungen. Noch schlimmer: Allesamt beurteilten sie den Zustand der Welt meist deutlich schlechter, ja dramatisierend schlechter, als er tatsächlich ist. 

Antworten meist falsch

Ob Bevölkerungswachstum, ob Armut, ob Bildung, ob Gesundheit: Meist hatten die Zuhörer keine realistische Sicht. Das ist das Ergebnis eines tausendfach ausgefüllten Fragebogens. Ein Fragebogen übrigens, der sich gleich am Anfang des Buches findet. Und wer die Fragen (natürlich meistens falsch) beantwortet, weiß sehr schnell, warum es sich lohnt, dieses Buch zu lesen. Denn: Wie will man denn auch nur ansatzweise mitreden oder gar richtig entscheiden, wenn man die Fakten nicht kennt? Eben. Erschreckend!

In gewisser Weise auch erschreckend: Der Mensch unterliegt nun mal zahlreichen Instinkten – etwa der Negativität genauso wie der Angst oder der Verallgemeinerung oder der Schuldzuweisung. Sich damit auseinandersetzen – ja, es ist hilfreich, es entlastet, es macht freier. 

Einer der Kernsätze für mich: Man „kann zwei Gedanken gleichzeitig haben: dass es auf der Welt schlimme Zustände gibt, dass aber auch vieles besser wird“. Mithelfen, dass es besser wird, kann man nur, wenn man weiß, wie es früher war und jetzt ist, und w a r u m es früher so war und heute anders ist. Im Übrigen macht Rosling klar: Ohne internationale Zusammenarbeit kann die Zukunft nicht positiv gestaltet werden. Nationalismus und Populismus führen in die Irre – und ins Verderben. 

Und hier geht’s zu Gapminder – eine wirklich tolle Seite:

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