Brüssel/Baden-Baden (ohja) – Drei Jahre Bauzeit für 1.200 Meter – und jetzt diese Sensation: Die Sanierung der Schwarzwaldstraße, die im Jahr 2015 begann und im Dezember dieses Jahres abgeschlossen werden soll (Tatsache!), steht kurz vor der Prämierung. Beim europaweiten Wettbewerb „Fast & furious constructions“ liegen die bisher beteiligten Bauunternehmen ganz weit vorne. 

Der Wettbewerb ist im Sommer vergangenen Jahres von der EU-Kommission ausgeschrieben worden. Anlass waren unter anderem Projekte wie der (mögliche) Berliner Flughafen BER und die Erweiterung der U-Bahn in Rom. Doch nicht die Höhe der Kosten und die besonderen Herausforderungen sind beim Ranking entscheidend, sondern der Zeitablauf in Relation zur Größe des Vorhabens. Dadurch liegt die Schwarzwaldstraße derzeit auf dem Spitzenplatz: wahrscheinlich drei Jahre Bauzeit für eine Länge von 1,2 Kilometern (Tatsache!). Wow!

Allerdings hängt noch viel vom letzten und dritten, 1,5 Millionen Euro teuren Bauabschnitt ab, der am 19. Februar begonnen hat und schon bis Weihnachten (in diesem Jahr!) fertig sein soll: immerhin sagenhafte 360 Meter, unterteilt in weitere Bauabschnitte mit einer Länge von 260 und 100 Metern (Tatsache!). Dies ergibt bei 308 Tagen (19.2.2018 bis 24.12.2018) einen täglichen Baufortschritt von 1,2 Metern. Ein rasender Wahnsinn an sich! 

Der Wert von 1,2 hätte allerdings nicht für die Top1-Position beim „Fast & furious constructions“-Wettbewerb ausgereicht. Findige Experten haben aber entdeckt, dass man anderswo zu unerlaubten Mitteln zur Beschleunigung der Arbeiten gegriffen hat: etwa Samstagsarbeit und zeitliche Vorgaben samt Fristen und Vertragsstrafen. Grobe Fouls sind das! Vor allem Italien tut sich dabei hervor.

Bei der Neuberechnung (ohne Samstage und Sonntage) ist die Schwarzwaldstraße denn auch nach vorne katapultiert worden. Die Formel lautet:  360 (Meter)  :  213 (Werktage) = 1,7 Meter (Baufortschritt). Und das täglich! Also wirklich jeden Tag. Das muss man sich mal vorstellen! Auf Englisch: every day a 1,7 meter-way (aua…). Clearly?

Nunmehr gilt es, die Daumen zu drücken und weiter auf jegliche Beschleunigungsmaßnahmen, die etwas mit der Baustelle zu tun haben könnten, zu verzichten. Die Verwaltung bittet deshalb Passanten, den (wenigen) Arbeitern vor Ort weder Bier noch Fruchtsäfte oder gar ein Vesper zu reichen.

Alles muss zwingend seinen gewohnten (ewigen) Gang nehmen. Nur dann gibt es berechtigte Hoffnungen, in der Geschichte des Straßenbaus, ja in der Historie des europäischen Bauwesens den berechtigten Platz an der Sonne einzunehmen:


„Fast & furious constructions“ – City of Baden-Baden (Germany), 100 points, 1st place für Blackforeststreet, 1200 meters, start in October 2015, end in December 2018.


(Vorsicht: Satire!)