Liebe Leute,

was ist deutsch? Ostfriesland? Oder Bayern? Und die Kultur? Die Identität? Vielfalt statt Einfalt – das möge so bleiben. Und die Kapverden? 

Jetzt, da ich auf einem kleinen Inselchen des Archipels eine doch recht lange Zeit verbringen darf, muss ich noch mehr über mich selbst lachen: Vor fünf Jahren war ich von einer TV-Doku so dermaßen fasziniert, dass ich noch am selben Abend den ersten Flug  buchte – um dort just das nicht zu finden, was ich erträumte… Die Ursache: Auch wir stiegen in einen Flieger eines Touristik-Konzerns und landeten dort, wo man dann eben so landet – auf Boa Vista oder Sal. Sonne, Sand, Meer – satt und schön. Aber eigentlich Wüste. 

Hoffentlich nie…

Beide Inseln sind voll in der Hand eines deutschen Touristik-Riesen – und dessen Marketing prägt noch immer das in Deutschland und anderswo vorherrschende Bild der kapverdischen Inseln, die rund 570 Kilometer vor der westafrikanischen Küste liegen. Das ist in etwa so: Wer dem kurstädtischen „the good-good-life“-Konzept glaubt und eine Hipster-City vermutet, ist eben mindestens falsch gewickelt. Oder besser: Hoffentlich wird nie Realität, was da verkauft werden soll…

Was verkauft wird, kann man auf Boa Vista und Sal mittlerweile spüren: Massentourismus (gesamt 700.000 Gäste pro Jahr) ist eben Fluch und Segen zugleich. Segen, weil Arbeitsplätze in einem Land entstehen, das andernfalls wohl bitterarmes Entwicklungsland geblieben wäre. Fluch, weil der rasante Aufschwung so seine Schattenseiten hat – man sieht’s zum Beispiel besonders in den Elendsquartieren der größeren Städte. 

Atemberaubend

Gleichwohl: Ob Boa Vista (deutsch: gute Sicht) oder Sal (Salz) – beide bieten Traumstrände, die zu beschreiben ein vergebliches Unterfangen ist. Atemberaubend! Doch die zehn, so nah beieinander liegenden Inseln sind eben mindestens so unterschiedlich wie Ostfriesland und die bayerischen Alpen. Mindestens! 

Santo Antao beispielsweise lockt mit tiefgrünen Tälern samt plätschernden Bächen genauso wie mit hochalpinem Gebirge. Es ist ein Eldorado für Wanderer – und für alle, die eine gewisse Ursprünglichkeit suchen und gewiss finden. Wie im Übrigen auf diesem kleinen Inselchen namens Maio, wo ich nun bin. 1600 Gäste werden hier gezählt – pro Jahr! 

Falls Ihr nun Lust auf die Kapverden bekommt: Das Angebot reicht von All-inclusive-Paketen in mehr oder weniger schicken Herbergen zu manchmal fast schon sündhaft günstigen Preisen bis zu oft viel zu teurem und eiligem Hüpfen von Insel zu Insel. Individuell geht’s übrigens auch: Man wird belohnt – sitzen, schauen, lauschen, riechen, schmecken. 

Und das nächste Mal erzähle ich etwas über Maio. Das wird eine Liebeserklärung…