Liebe Leute,

in Teilen nachvollziehbar – aber gefährlich! So sehe ich die Lockerungen und das damit verbundene Signal an die Menschen. 

Ausnahmsweise vorweg etwas ganz Persönliches – nicht, weil ich mich als wichtig empfände, sondern weil ich ja verstanden werden möchte… Zunächst: Mir selbst hat das Virus zwei für mich sehr bedeutende Projekte verhagelt. Ich weiß also, welche Folgen der Lockdown hat…

Nicht mehr folgen kann und mag ich jenen, die mit Gebrüll und Wut ständig ihre eigene Betroffenheit skandalisieren – ob politisch, wirtschaftlich oder sozial. Nicht mehr folgen kann ich auch jenen, die meinen, es wäre sowieso alles nur Hysterie.

Wer den bisherigen Kurs für falsch, ja übertrieben hielt und hält, möge in die Welt schauen. Im europäischen Vergleich steht Deutschland gut da. Doch der Blick nach Asien verrät: Es geht besser. In Südkorea zum Beispiel. 

Fehlinterpretiert – oder gar nicht beachtet

Und damit zum Kern: Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina (höchstes wissenschaftliches Gremium) wurde fehlinterpretiert – und die Mahnung der Helmholtz-Gemeinschaft (größter Forschungsverbund) wurde nicht beachtet. 

Tatsächlich hat die „Leopoldina“, was gerne vergessen wird, eine mögliche Lockerung an Voraussetzungen geknüpft: Schutzmasken, App, Testung des Immunitätslevels! Die Helmholtz-Gemeinschaft hält die Öffnung gar für gefährlich: Besser wäre gewesen, noch zwei, drei Wochen durchzuhalten – um das Virus und dessen Verbreitung weiter „auszutrocknen“ und danach das unvermeidliche Aufflackern von Infizierungen engmaschig einzudämmen.

Großer Druck

Jetzt also dennoch die Lockerungen… Der Druck auf die Politik durch mächtige Interessengruppen war groß – und verstärkt sich. Bisher, das darf festgestellt werden, galt der Vorrang des humanistisch geprägten Prinzips des Schutzes möglichst vieler Menschen, besonders der stärker Gefährdeten. Nun soll der „Laden wieder laufen“, wie oft zu hören ist. Das Risiko kann aber eigentlich niemand verschweigen. Um ein Bild zu wählen: Wenn ein Zug in einer Kurve nur 50 fahren darf, aber mit 70 rollt, mag das manchmal gutgehen – aber gewiss nicht immer. 

Ich hoffe diesmal wirklich, dass ich es völlig falsch sehe. Ja, die Öffnung ist aus wirtschaftlichen Gründen für viele Betriebe geboten. Doch das ist mit Gefahren verbunden. Zur Entwarnung gibt’s keinen Anlass. 

Ob die Menschen das wissen? Ein zu frühes Signal? Im Netz protestieren übrigens auch viele Eltern – sie haben Angst, ihre Kinder in die Schule zu schicken…