Liebe Leute,

das Ende fürs freie Wort. Zensur. Schlicht: Der Untergang der Demokratie. Deutschland? Wie China… Derlei durfte, konnte oder musste lesen, wer sich für die Reform des Urheberrechts der EU interessiert. Und heute ist die Reform auch noch vom Parlament beschlossen worden. Licht aus. 

Das ist natürlich Quatsch. Als Beobachter kann man sich erneut nur wundern: Über die Schärfe der Debatte. Über soviel verbreiteten Unsinn. Über das Versagen von Politik und Gesellschaft, sich zu verständigen. Das liegt (auch) an den Kommunikationsstrukturen – und natürlich am Netz selbst. Denn niemand, aber auch wirklich niemand ist derzeit in der Lage, die rasante Verbreitung von Nonsens zu verhindern. 

Kostenlos-Kultur

Worum es geht? Eigentlich im Kern ganz einfach: Die Arbeiten von Urhebern – ob Musiker, Publizist oder Filmer – sollen geschützt werden. Audiovisuelle oder schriftliche Werke sollen von anderen nicht ohne Bezahlung genutzt werden können. Beispiel: Wer sein selbstgedrehtes Video mit Musik hinterlegen will, muss (eigentlich schon heute) den Komponisten fragen, ob er das darf. Viele, allzuviele machen das nicht. Viele, allzuviele nutzen auch Fotos oder Texte – gerade so, als seien sie nichts wert. Das hat im Übrigen dazu geführt, dass Fotos oder auch Texte tatsächlich immer weniger wert sind, sprich: Eine Kostenlos-Kultur hat sich im Netz durchgesetzt. 

Wer davon profitiert? Die Großen. Die ganz Großen im Netz. Google, Youtube, Facebook… Sie sollen jetzt verhindern, dass Filme, Musikstücke oder Texte nicht mehr ohne Einverständnis des Urhebers verbreitet werden. Kein Wunder, dass diese Plattformen sich wehren: Bisher verdienen sie prächtig. Künftig sollen sie (wenigstens) bei Verstößen haften.

Das Abendland geht nicht unter

Wundern darf man sich indessen über die verzerrte Debatte. Denn – und jetzt zitiere ich die in der Schweiz erscheinende Zeitung NZZ: „Das Papier verlangt von den Plattformbetreibern ausdrücklich, dass sie das Aufschalten von freien, ungeschützten Erzeugnissen nicht behindern dürfen. Zulässig bleibt ebenso das Zitieren von Werken in Kritiken und Rezensionen sowie die Nutzung für Karikaturen oder Parodien.“ Will heißen: Das Abendland geht nicht unter. Und die Demokratie auch nicht. Zumindest nicht wegen der Reform des Urheberrechts…

Freiheit braucht (auch) Grenzen und Regeln. Sonst ist Freiheit nichts wert. Grenzen und Regeln braucht auch das Internet. Denn warum lassen wir etwa die Verbreitung von gewaltverherrlichenden Texten und Filmen zu? Wie kann es sein, dass Hass und Hetze sich ungehemmt breitmachen können? Und damit auch noch Geld verdient wird? Es wäre schön, dagegen würde auch einmal demonstriert… 

Für jede kleine Tageszeitung gelten ethische Regeln wie etwa der Pressekodex. Doch Plattformen, die täglich gegen Normen verstoßen, dürfen agieren, wie sie wollen. DAS gefährdet die Demokratie – nicht die Durchsetzung des Urheberrechts.