Liebe Leute,

Einigkeit? Vorbei. Besser: Sie gab es nie wirklich. Ist das schade? Mag sein. Und Solidarität? Gemeinsinn? So oft beschworen – und schnell wieder verloren? Auch das. Gefährlich in Zeiten einer Pandemie. Warum? 

Zusammenstehen. Zusammenhalten. Füreinander da sein. Das waren die Stichworte, als auch in Deutschland verstanden wurde: Da rollt etwas Unbekanntes auf uns zu. Corona. Das Virus. Angst folgte. Ein bisschen Schockstarre – angesichts der Bilder von anderswo. 

Und heute? Dieser Tage habe ich mich mal wieder umgeschaut – auf Seiten und Plattformen, die dem „Mainstream“ widerstehen… Schließlich frage ich mich immer wieder: Sehe ich’s falsch? 

Kinder: Völlige Ignoranz

„Ein Virus namens Hysterie“ – so lautete die Überschrift eines Kommentars in einer der angesehensten Blätter der Wirtschaftszunft. Natürlich wurde auch dort der (falsche) Vergleich mit der Grippe postuliert – eigentlich nur übertroffen von einem Kommentar des Chefredakteurs der Zeitung mit den vier großen Buchstaben: „Es gibt keine Herdenimmunität dagegen, historisch katastrophal falsch zu liegen.“ Natürlich weiß der Mann: BILD Dir eine Meinung – auch wenn Bildung fehlt… Nur ein Beispiel: Wie kann man ignorieren, dass die Wissenschaft über „Kinder und das Virus“ noch viel weniger weiß als bei Erwachsenen? 

Doch bevor wir uns falsch verstehen: Pluralität von Meinungen ist wichtig. Der Austausch von Argumenten ist das Lebenselixier der Demokratie. Im Ringen um die Antwort entsteht die beste Lösung.

Bei Pandemien allerdings können nicht nur Viren mutieren, sondern auch die Freiheit: Die Berufung auf den „gesunden Menschenverstand“ halte ich für eine Perversion der Freiheit – und zwar in Zeiten, in denen es mehr Wissenschaft und mehr Erkenntnis braucht. Freiheit muss zwingend mit Verantwortung verbunden sein und darf nie grenzenlos sein. Freiheit kennt nicht nur das Ja, sondern auch das Nein! Und wenn Hans Hugendubel über Christian Drosten sagt, er habe doch von nix eine Ahnung – dann ist das pervers. Und wenn Chefredakteure ihre Leserschaft aufwiegeln, dann ist das mindestens verantwortungslos – und hat nur die eigene (gesunkene) Auflage im Blick. 

Protest wächst – AfD schürt

Wie schwierig dieses temporäre Nein zu gewohnten Freiheiten in der westlichen Welt akzeptiert wird, ist am deutlichsten in den USA zu sehen: Der Verkauf von Waffen steigt stark, Demonstrationen gegen Einschränkungen, Widerstand gegen Vorgaben. Auch bei uns wächst der Protest. Die AfD schürt schon kräftig. 

Das Problem: Menschen, die sich nicht an Regeln halten, können andere, die sich an Regeln halten, infizieren. So ganz, ganz einfach ist das. 

Ausgangssperren wie in Italien und anderswo waren bei uns nicht notwendig. Dort waren die Zahlen schlimmer – und mithin die Antworten der Politik härter. Der Erfolg scheint recht zu geben. Ich fürchte aber – und damit zurück zu meiner Lektüre gewisser Seiten und Plattformen – dass ein zu großer Teil der Menschen bei uns noch nicht einmal die Hände wäscht. Man lässt sich doch nichts vorschreiben… 

Im Übrigen: Südkorea zeigt, wie es geht.