Liebe Leute,

früher war alles besser. Fragezeichen? Wirklich ein Fragezeichen? Wo ist das Schöne im Heute? Wo das Gute? 

Morgens, und zwar dann, wenn wir im Badezimmer die Dusche aufdrehen, ist’s meistens und bei den meisten hier Lebenden wohlig warm. Eine Petitesse? Eine Kleinigkeit? Haben wir verlernt, die Normalität zu schätzen? Und wie ist das noch gleich im Hinblick auf die längste Friedenszeit in diesem Land? Zugegeben: zwei krasse Beispiele. 

Doch beides kam mir dieser Tage spontan in den Sinn, als ich die Ergebnisse einer Umfrage las: Zwei Drittel der Europäer finden, dass die Welt früher eine bessere war. 61 Prozent sind’s in Deutschland, meldet die Bertelsmann-Stiftung. 

„Man schätzt es nicht mehr“

Woher kommt diese Nostalgie? Woher diese offensichtliche Unzufriedenheit? Kürzlich hatte ich Gelegenheit, darüber mit einem sehr hochrangigen Kirchenmann, der hier anonym bleiben muss, zu sprechen. Dessen Antwort auf die Frage: „Den meisten Menschen geht es gut. Das wird zur Selbstverständlichkeit.“ Aber, so sein Zusatz: „Man schätzt es nicht mehr.“ 

Dazu passt mein morgendliches Empfinden (meist vor der Dusche): Wenn ich so meine Timeline bei Facebook anschaue – welch’ Grauen kriecht da oft in meine Seele. Von verhungernden Kindern im Jemen über die Verschmutzung der Ozeane bis hin zu völlig verkorksten und ignoranten Politikern schlägt mir alles entgegen, was mich (zurecht) verzweifeln ließe – und auf den Magen. Wie bin ich froh, wenn ich ein Comic zum Lachen sehe… Oder ein freudvolles Foto aus dem prallen Leben…

Negativitätsproblem

Und die professionelle Publizistik? Für mich selbst galt in meinem ersten Leben, zuletzt als Redaktionsleiter: den Dingen auf den Grund gehen, hinterfragen, Missstände aufgreifen. Man könnte es Aufklärung nennen. Etwas überheblich könnte man den grundgesetzlichen Auftrag zitieren. Das lassen wir hier heute – weil es mir um anderes geht: Die „Zeit“ hat kürzlich mit dem Titel „Was nicht in der Zeitung steht“ den Fokus darauf gerichtet, dass das, was gut klappt, nirgends zu lesen ist. 

Datenwissenschaftler haben demnach die New York Times und und andere Qualitätsmedien untersucht. Ergebnis: Tendenz zum Düstereren. Es gebe gar ein „Negativitätsproblem“, so die „Zeit“. 

Aus dem Sichtfeld: Das Gute, das Schöne

Ja, möchte ich fast ausrufen. Doch dieses Problem feiert fröhliche Urständ nicht nur bei jenen, die (welch’ Segen!) ihren Auftrag erfüllen: Ein Post mit einem echten negativen Aufreger ist in den sozialen Medien ein Selbstläufer. Das Gute, das Schöne, das Normale – es droht aus dem Sichtfeld zu geraten. 

Bei aller notwendiger kritischer Sicht: Die Sonne scheint auch… Wohlan!