Liebe Leute,

heute mal etwas Persönliches, gewissermaßen auch etwas Privates, das aber durchaus mit Kommunikation zu tun hat. Das Klima… – und zwar in zweifacher Bedeutung.

So sehr ich bestrebt bin, dass Vernunft und Verstand in politischen Fragen mein Urteil bestimmen, so sehr ärgere ich mich derzeit häufig. Zum einen über jene, die mit griesgrämiger Mine die Apokalypse fast schon beschwören. Zum anderen über jene, die den Klimawandel leugnen. Selbstgerechtigkeit und Ignoranz gibt’s auf beiden Seiten. Und die Mitte? Findet wenig Gehör in all’ dem Geschrei.

Wie immer ganz ehrlich: Ich bewundere alle, die auf ein Auto verzichten. Ich bewundere alle, die nicht mehr in Urlaub fahren und schon gar nicht fliegen. Ich bewundere alle, die grundsätzlich nur mit dem Körbchen bei kleinen Hofläden einkaufen. Ich bewundere alle, die nur noch (wenn überhaupt) mit Holz heizen und natürlich (hoffentlich) einen Filter eingebaut haben… Alle anderen bitte ich, mit ihren Ratschlägen bei sich selbst zu beginnen.

Wie immer ganz ehrlich – zum Zweiten: Jene, die gegen Fahrverbote für alte Blechkisten wettern, empfehle ich, sich am Stuttgarter Neckartor für eine Weile häuslich niederzulassen. Jene, die demonstrierende Schüler diskreditieren, weil dort danach angeblich massenhaft Müll herumliegt, empfehle ich einen Besuch beim Oktoberfest oder jedem stinknormalen Jahrmarkt. Und jene, die den Klimawandel leugnen und mithin meinen, wir könnten weitermachen wie bisher, empfehle ich: Schweigt, guckt aus dem Fenster – und hört auf die Wissenschaft!

Transformation braucht Zeit

Und nun? Nun möchte ich noch ein bisschen für Maß und Mitte werben. Ja, auch ich halte den wissenschaftlich längst bewiesenen Klimawandel neben der Gefahr eines atomaren Kriegs für d a s  existenzielle Problem der Menschheit. Und alle, die darauf aufmerksam machen – vor allem jene, die davon tatsächlich etwas verstehen – sind keine Spinner. Damit einhergehen sollten indessen Lösungsansätze. Wer meint, ein hoch industrialisiertes Land wie das unsrige, mitten in Europa, könne so mir nichts, dir nichts Sonderwege gehen, irrt. Die Transformation braucht (auch) Zeit – neben klaren politischen Vorgaben wie etwa eine CO2-Steuer, die gleichwohl sozial unterfüttert werden muss.

Während die einen nahezu jedem ein schlechtes Gewissen zu machen versuchen und die anderen so tun, als könnten wir getrost so weitermachen wie bisher, läuft die Debatte meist völlig verquast und verquer ohne notwenige Schwerpunkte. 

  • Beispiel 1: Die Fleisch- und Milchproduktion sorgt für mehr Treibhausgase als der gesamte weltweite Verkehr (Autos, Schiffe, Flugzeuge) !
  • Beispiel 2: Das Internet (!!!) verbraucht mehr Energie und sorgt für mehr CO2-Emissionen als der gesamte weltweite Flugverkehr ! Eine einzige E-Mail ohne Anhang hat die Klimabilanz einer Plastiktüte!
  • Beispiel 3: Wir beziehen ungeheuer viel Atomstrom – aus Frankreich. Und viel deutet darauf hin, dass der Anteil der Kernenergie in Zukunft eher steigen wird, weil der Ausbau der regenerativen Energien nicht so schnell vorankommt. Deshalb im Übrigen brauchen wir noch die Kohlemeiler. Deshalb im Übrigen schafft es Deutschland nicht, die Klimaschutzziele einzuhalten. Andere Länder sind besser – und die allermeisten setzen auf Kernenergie. 

Das muss man nicht wollen. Aber es wäre gut, die Debatte liefe weniger selbstgerecht, weniger ignorant, stattdessen sachorientierter. Mit Vernunft und Verstand. Auch wenn man sich mal ärgert… 

Apropos ärgern: Wer angesichts der Weltlage kein überzeugter Europäer ist, sondern auf nationale Lösungen setzt, ist entweder nicht ganz bei Trost oder betrunken. Oder beides.