Liebe Leute,

welche Leidenschaften habt Ihr so? Das würde mich interessieren. Schließlich sind wir ja irgendwie befreundet. Ich trete in Vorlage und will von einer Leidenschaft erzählen, die mir seit Ewigkeiten innewohnt: Also es geht hier um öffentliche Bekanntmachungen, Verfügungen, Dienstanweisungen, Nutzungs- und Geschäftsbedingungen… 🙂

Es ist ok, wenn Ihr jetzt nicht mehr weiterlesen wollt. Ich verstehe das. Aber es wäre geradezu fahrlässig, um nicht zu sagen: ignorant. Schließlich öffne ich mein Innerstes. Ferner: Hinterher könnt Ihr immer noch beurteilen: So ein Shit – oder: Ja, echt, das hat mir jetzt etwas gebracht fürs Leben. 

Zunächst möchte ich von einem Scheitern berichten: Als ich kürzlich mehrere Aktualisierungen auf meinem Apple-Mac durchzuführen hatte, musste ich wieder meine ganz grundsätzliche Zustimmung erklären zu all’ dem, was Apple geschäftsmäßig so mit mir macht. Nach zwei Stunden des Lesens habe ich ermattet aufgegeben – und das Häkchen gesetzt. Was sollte ich auch anderes tun? Ohne meine Zustimmung könnte ich meinen Mac nicht mehr nutzen. 

Also, Erkenntnis Nummer 1 fürs Leben: So ein pupsig kleiner Verbraucher hat gegen die Großen keine Chance. Ok, ok, das habt Ihr schon gewusst. Deshalb gleich zu Erkenntnis Nummer 2: Meistens sind Bekanntmachungen, Verfügungen, Dienstanweisungen und Nutzungs- und Geschäftsbedingungen in einer reichlich verschwurbelten Sprache gehalten. Sinn: Der Verbrauchende/Nutzende (gendergerecht!)  soll das Geschriebene gar nicht wirklich verstehen. Denn wenn er (sie) es verstünde, würde er (sie) womöglich nicht mehr mitmachen. 

Dieser Tage weist zum Beispiel Google auf geänderte Nutzungsbedingungen hin. Das Magazin brand eins hat die Sache derlei genial aufbereitet, dass ich nicht umhin komme, dort etwas zu klauen. 

Zitat aus den Nutzungsbedingungen: 

„Erfasst werden Informationen wie Nutzungsdaten, Einstellungen, Gmail-Nachrichten, Google+ Profil, Fotos, Videos, Browserverlauf, Kartensuchen, Dokumente oder andere von Google gehostete Inhalte. (…) Diese Erfassung kann alle Inhalte betreffen, die unsere Systeme durchlaufen. (…) Unter Umständen scannt unser System automatisch die Inhalte unserer Dienste, etwa E-Mails in Gmail (…).“

Übersetzt in die sogenannte „leichte Sprache“, mit der man sich vorwiegend an Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen richtet, würde die Passage lauten:

„Die Firma Google bietet viele verschiedene Dienste an.

Zum Beispiel: E-Mails, Videos, Fotos, Internet-Suche, Karten.

Da sammelt Google Informationen von den Nutzern.

Zum Beispiel: E-Mails, Fotos, Videos, Such·Worte.

Google speichert all diese Informationen.

Und Google durchsucht all diese Informationen.

Google durchsucht auch die E-Mails von den Nutzern.“

brand eins sei also Dank. Deren Beitrag schließt übrigens mit den Worten: „Dann weiß Google noch mehr.“

Google will aber nicht, dass wir das wissen. Das ist das Prinzip. Ihr erinnert Euch? Erkenntnis 2! 

Darüber könnte man sehr traurig sein. Aber so ist das halt mit den Leidenschaften. Wenn man (frau) den Dingen auf den Grund geht… schwups, und schon ist Schluss mit lustig. Deshalb zum Schluss etwas Besonderes zu meiner und Eurer Freude: Dort, wo ich manchmal parke, hängt ein Schild, wonach ich nur mit Parkscheibe maximal 30 Minuten parken darf und nur auf der Basis der ausgehängten allgemeinen Geschäftsbedingungen… Zum Glück habe ich es selten eilig. Denn ich habe den Aushang am Parkplatz entdeckt mit insgesamt  7.3 Ausführungen… Nummer 5 ist herrlich: „Der Vertrag endet mit der Ausfahrt des Fahrzeugs aus der Parkeinrichtung, es sei denn, der Vertrag wird vorher fristlos gekündigt.“ 

Seither rechne ich beim Einkauf ganz leidenschaftlich mit dem Schlimmsten. Bei Google und Co übrigens auch…