Liebe Leute,

es ist großer Druck im Kessel – politisch. Doch man nimmt nicht wahr! Die Gefahr ist groß – und eigentlich fast mit den Händen zu greifen.

Die digitalen Medien – ob Facebook oder Online-Portale – sind für mich ein Indikator: Was hier politisch von ganz normalen Menschen (und nicht etwa Trollen und Hetzern) gepostet und geschrieben wird, ist meist alles andere als objektiv – warum auch? Aber es schälen sich Themen heraus, die die Menschen bewegen oder auch bedrücken. 

„Blasen“ auch woanders…

Klar, es wird ja gerne von „Blasen“ gesprochen. Das tun vor allem jene gerne, die sich fast nur in der „alten“ Medienwelt und widerwillig nur ein bisschen in der digitalen Welt bewegen. Darunter sind viele Spitzenpolitiker und Journalisten. Sie echauffieren sich zwar zurecht über (tatsächliche) Niederungen im Digitalen. Doch sie nehmen ihre eigene Blase nicht wahr.

Bei allem Respekt – und vor allem ohne jegliche Häme: Viele Politiker und leider auch viele Journalisten kreisen allzu häufig wegen der allein schon strukturell großen Nähe zueinander um immer wieder die gleichen Themen. Sehr beliebt: Personalisierungsdramen. Man findet zudem nur wichtig, was in der Zeitung steht, was in Leitartikeln steht, was in den Pressespiegeln, dominiert von Zeitungen, steht. Gerade so, als hätte es keinen fundamentalen Medienwandel gegeben.

Druck im Kessel

Und so sehr ich das vor dem Hintergrund meines „ersten“ Lebens verstehen kann: Gefährlich! Jüngstes, noch immer großes Beispiel ist für mich die Kür der neuen SPD-Spitze: Die Mitglieder wählten das durch und durch professionalisierte Establishment nicht. Jenes hatte den Druck im Kessel (auch) unterschätzt.

Und wollen wir zu den Briten schauen? Überraschung, Erstaunen, Entsetzen. Das wiederum überrascht, erstaunt und entsetzt mich immer wieder. Aus Wahrnehmungsdefiziten werden Fehleinschätzungen.

Fakt ist: Die Gesellschaft driftet auch in Deutschland (trotz noch guter Konjunktur) längst auseinander. Knapp formuliert: Einer Hälfte geht es gut, die andere Hälfte – kämpft. Nur mal so als Beispiel: Die Armutsquote im Ruhrgebiet beläuft sich auf 21 Prozent. Jeder Fünfte ist also arm!

Doch auch jene, denen es gut geht, spüren zunehmende Unsicherheiten. Globalisierung, Digitalisierung, Klima: Die Menschen merken, dass die Welt und ihre Lebenswelt morgen nicht mehr sein wird wie heute. Und der Glaube an das politische System schwindet dramatisch. Eine gefährliche Mixtur! Und jene macht mich, ja: zunehmend unruhig. 

Politik braucht Führung

Gibt’s ein Gegengift? Ja. Man möge die Menschen nehmen, wie sie sind – es gibt keine anderen. Und man möge die Themen, die den Menschen unter den Nägeln brennen, mithin ihre Sorgen und Nöte wahr- und ernst- nehmen und ins Zentrum rücken – und nicht den Populisten und Nationalisten überlassen.

Und machen wir uns nichts vor: Politik braucht Führung – und zwar eine inhaltlich u n d personell glaubwürdige mit positiver Strahlkraft. 

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Foto: aus dem ZKM Karlsruhe / „Demokratie“-Spiel in der Gameplay-Ausstellung