Liebe Leute,

Kommunikation und Digitalisierung – kaum noch zu trennen. Doch mal ganz fernab der Publizistik: Wie wollen wir leben?

Beginnen wir doch mal so: Ziemlich en vogue ist, der weiteren Digitalisierung das Wort zu reden. Umfragen indessen beweisen: Ich bin nicht alleine mit meinem Unbehagen. 

Viele Menschen haben in der Tat die Befürchtung, nicht mehr Schritt halten zu können. Ich verstehe die Ängste, die damit verbunden sind. Denn Fakt ist, dass die digitale Revolution unser Leben schon tiefgreifend verändert hat und der Wandel ziemlich unerbittlich fortschreiten wird, vor allem in der Arbeitswelt: Experten künden von einem radikalen Umbruch. 

Doch auch im privaten Bereich wird’s weitergehen. Stichwort: Smart Home. Der Kühlschrank wird mit dem Backofen kommunizieren und gleich noch den Einkauf steuern – vielleicht wirft er irgendwann die Eier in hohem Bogen in die Pfanne… 

Spaß beiseite: Kritiker des Konzepts „Smart City“ beklagen beispielsweise, dass die Technologie unser Leben bestimmen wird und eine Normierung droht. Stichwort: Wo bleibt der Mensch? Wo die Individualität? 

Und, denken wir an den ohnehin sträflich vernachlässigten Bereich der Pflege: Längst gibt es Versuche mit Robotern – etwa mit dem 1,20 Meter großen „Pepper“ als Entertainer in Altenheimen. Wenn ich so etwas sehe, fröstelt’s mich. 

Just dieser Tage habe ich schließlich eine Anzeige eines sehr renommierten Verlags für eine Schulung gelesen: Man kann recht schnell zum „Digital Leader“ werden und ist dann fit in den neuen Management-Methoden und beherrscht „digitale Transformation, agile Produktentwicklung und digitales Verhandeln“. 

Den Menschen dienen

Wisst Ihr was? Ich will das nicht. Zumindest nicht in diesem Leben… Ziemlich beruhigend finde ich in diesem Zusammenhang: Kaum bin ich mit meinem Rad samt iPhone auf der Nachtigall angekommen, ist die Verbindung zum Internet und damit zur Welt so gut wie erloschen. Auf der Rote Lache ist dann ganz Schluss: „kein Netz“. Es hat sich gewissermaßen ausdigitalisiert. 

Zum Glück bin ich kein Digital Leader. Sonst würde ich mich ja schwarz ärgern, weil ich digital völlig inagil und quasi transformiert bin in einen Neandertaler… 

Und wenn ich mir angucke, wie und wie lange dieses Land über die Datenschutzgrundverordnung diskutiert und die Menschen in Vereinen und kleinen Unternehmen quält – dann, ja dann werde ich so richtig heiter. Sehr sogar. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die vollkommene digitale Revolution nicht mehr erleben muss. Das ist die Gnade der frühen Geburt… 

Wie bei allen technischen Innovationen, so gilt denn auch bei der Digitalisierung: Sie darf nicht Selbstzweck sein, sondern muss den Menschen dienen. Maß finden und halten – das gilt auch hier!