Liebe Leute,

Greta… In meinem letzten Text in diesem Jahr muss es sein: Greta. Endlich dazugehören…

Nun gut – oder schlecht: Mit Greta macht man(n) keine Späße. Jedenfalls keine falschen… Selbst das sonst so humorvolle Satire-Portal Postillon ist gescheitert: „Heimreise einzelner Teilnehmerin offenbar wichtiger als eigentliche Klimakonferenz.“ Treffer! Doch Satire? Nö. Das war schon fast eine nachrichtliche Überschrift… 

Debatte über Sinnlosigkeit

Perfekt weitergedreht hat’s das Satire-Magazin „Extra3“. Titel des Posts bei Instagram: „Gut, dass anstelle der sinnlosen Debatte über die Bahnfahrt von Greta jetzt eine Debatte über die Sinnlosigkeit dieser Debatte geführt wird.“ 

Nun könntet Ihr je nach Gusto und Haltung zetern und losfeuern: Dieser Text hier sei sinnlos. Es sei gar ein Text über die Sinnlosigkeit einer Debatte über die Sinnlosigkeit der Debatte. Doch gemach: Erstens kommt noch Sinn. Zweitens bin ich in bester, ja ehrenwerter Gesellschaft. Ein Autor bei „Zeit online“ riet am Beispiel des Greta-Bahn-Techtelmechtels dazu, sich beim Aufkommen einer Erregung immer bewusst zu machen: „Es ist nichts, und es lohnt sich nicht, an diesem Nichts teilzunehmen.“

Ich bin immer noch geneigt, dem Kollegen zuzustimmen. Allerdings wohnt dem zitierten Satz ein Widerspruch inne, womöglich gar zwei: Wenn es sich nicht lohnt, an einem Nichts teilzunehmen – warum tut er es dann? Und kann man an einem Nichts überhaupt teilnehmen? Das sollen die Physiker unter uns klären… Oder die Philosophen. 

Populistischer Sand?

Meine Nähe ist zu letzteren größer, weil ich Physiker ganz oft nicht verstehe, dagegen Philosophen häufiger. Verstehen tu’ ich auch, dass eine sympathische und kluge Facebook-Freundin dieser Tage im Hinblick auf die Greta-Bahnfahrt-Debatte gepostet  hat: „Opium für das Volk, liebe Presse: Ihr versagt auf ganzer Linie! Immer wieder… populistisch Sand in die Augen der Bürger/Leser.“

Entgegnet habe ich ihr – und damit ganz schnell zum Schluss oder zum Nichts: Das Volk liebt Opium! Die Geschichten bei „Spiegel Online“ über die Greta-Fahrt und die Reaktion der Bahn waren (und sind) der Renner bei der Leserschaft, haben bei Twitter alle Rekorde gerissen – und drehten auf den anderen digitalen Plattformen prächtig. Und zudem zeigte sich erneut: Es ist völlig egal, ob die Fakten in einer Geschichte stimmen oder nicht. Läuft auch so.

Nicht nichts!

Auch das treibt mich immer wieder um. Denn nicht Meinungen per se sind das Problem – sondern Meinungen, die auf falschen Tatsachenbehauptungen fußen. Und das, zugegeben, lässt mich zweifeln (auch) an der Sinnhaftigkeit meiner eigenen Texte im Digitalen, wo knappe Knalligkeit und Einäugigkeit viel, viel mehr zählen als das Abgewogene und Nachdenkliche. 

Doch da seid ja auch Ihr. Und deshalb danke ich Euch für die Begleitung in diesem Jahr – und die bei Facebook durchaus auch kritische, aber fast durchweg faire Debatte. Dass das in diesen Zeiten möglich ist, ist nicht nichts.