Liebe Leute,

Greta – tagaus und tagein. Oft gleichzeitig: Die großen und kleinen Gazetten oder Nachrichtenportale liefern Bilder und Texte en masse. Und die digitalen Medien laufen über – die längst Überzeugten posten, was die Tastatur hergibt, und die Gegner kübeln Häme, ja auch Hass hinaus in die Welt.

Medienpolitisch, nun ja, ließe sich alles wunderbar erklären. Doch so wichtig ist das gar nicht. Das Bedeutende ist: Das junge Mädchen und jene, die sie begleiten und beraten, machen vor, wie Kommunikation geht. 

Im Handumdrehen geschafft

Personalisierung, Emotionalisierung – und eine klare Botschaft, gepaart mit Glaubwürdigkeit. Letzteres, nun, der Trip im Segelboot ist ein Patzer. Besser wäre gewesen, sie hätte sich mit ihrem Papa in den Flieger gesetzt und gesagt: Leute, geht nicht anders – Ihr wisst es ja selbst. Das hätte Greta auch nahbarer gemacht, Brücken gebaut zu all’ den „Normalos“ dieser Welt und das Problem glaubwürdiger deutlich gemacht, dass klimafreundliche Mobilität heute (noch) ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Aber sei’s drum. Das Entscheidende und wirklich Wichtige ist: Dieses Mädchen ist Auslöser einer Bewegung, die den Klimaschutz als Thema tatsächlich in die Mitte der Gesellschaft gepflanzt hat. Das, was Wissenschaftlern seit den Anfängen des Club of Rome in Jahrzehnten misslang, schafft Greta quasi im Handumdrehen. Wir erinnern uns: Personalisierung, Emotionalisierung, Botschaft…

Man kühlt Mütchen am Mädchen

Die Gretchenfrage aber lautet, leicht abgewandelt: Wie halten wir es denn nun mit dem Klima und unserer Lebensweise? Weil ich im Schatten (während der nachmittäglichen Hitze) auf diesem kapverdischen Inselchen manchmal wirklich viel Zeit habe, lese ich hin und wieder, was da so gepostet und kommentiert wird – von all’ jenen, die an einem Mädchen ihr Mütchen kühlen müssen. Sozialpsychologen sollen das mal erklären. 

Politisch: Die Transformation von Industriegesellschaften ist eine gigantische Aufgabe – die Menschen mitzunehmen ist eine nicht minder große. Ganz persönlich: In Großstädten muffelt es gewaltig nach Abgasen. Gewässer sind von Gülle belastet. Wälder sterben. Mikroplastik allüberall. Und man will nicht wahrnehmen? Es mag erklärbar sein – verstehen tu’ ich es nicht… 

Positive Vision ohne Zeigefinger

Vor diesem Hintergrund halte ich es für schlichtweg gefährlich: Die Rechtsaußen sammeln die Leute ein mit der schlichten Negation des Klimawandels. Und selbst in der Mitte der Gesellschaft knüppeln die Menschen verbal aufeinander ein. Miserables Klima in Klimafragen! 

Immerhin beweisen Umfragen, dass die Mehrheit der Menschen bewusster ist als so manche Schreihälse uns weismachen wollen. Und das sollte, ja muss in konkretes Handeln münden. Nicht griesgrämig und mit erhobenem Zeigefinger. Sondern mit positiver Vision. Glaubwürdig. Durchaus ein bisschen emotional. Mit klarer Botschaft. Und vor allem einer Sprache fernab vom wissenschaftlichen Dienst… Geht nicht? Geht!