Liebe Leute,

lehrreich, faszinierend, immer wieder überraschend, kurzum: ein Buch, das man getrost allen Menschen guten Willens ans Herz legen kann. Apropos Herz: Dort können „Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt“, so der etwas sperrige Untertitel, durchaus ihren Platz finden. 

„Aufklärung JETZT“ heißt das Werk des US-amerikanischen Psychologen Steven Pinker (Harvard University), der zu den 100 weltweit bedeutendsten Denkern und Wissenschaftlern zählt, so jedenfalls das Magazin Time. Aber nun ja: Stramm Linke oder gar dumpfe Rechte haben so ihre Not mit dem anekdotenreich und gleichwohl wissenschaftlich fundierten Plädoyer für die Vernunft. Denn: Nur durch möglichst unpolitisierte Analysen lassen sich Lösungen für die Probleme finden. 

Probleme sieht auch Pinker. Aber, ganz großes Aber: In Zusammenarbeit mit namhaften Größen verschiedener Disziplinen beweist der Autor, dass die Welt nicht schlechter, sondern besser geworden ist. Aber wir – und natürlich auch die Medien – nehmen es meist nicht zur Kenntnis, ordnen nicht ein, prügeln stattdessen auf die Wirklichkeit auch verbal so lange ein, bis ein oft genug apokalyptisches Bild entsteht. 

Gesünder, besser, friedlicher

Doch Pinker weist mit vielen Diagrammen auf der Basis von weltweiten Daten akribisch nach: Wir leben länger. Wir leben gesünder. Wir leben reicher. Wir leben besser. Wir leben friedlicher. Wir werden sogar klüger. Die Anzahl der Kriege ist gesunken. Die Anzahl der ganz Armen ist gesunken (leider nimmt die Ungleichheit im Westen zu). Wohlstand hat sich ausgebreitet auf der Welt. Warum? 

Antwort: Pinker verweist auf den Ursprung des Fortschritts – ausgelöst durch die Zeit der Aufklärung vor mehr als zwei Jahrhunderten und das damit verbundene Wertesystem. Ein Wertesystem, das nicht nur die Art des Denkens und Handelns umfasst, sondern mit dem Humanismus eine weltweit gültige und tragfähige Basis schuf. Fortschritt ohne Humanismus kann es nicht geben. 

Und so identifiziert Pinker natürlich auch Probleme, die letztlich inhuman sind – das größte und letztlich gefährlichste: der Klimawandel. Ob es fünf vor zwölf ist oder schon später: Pinker appelliert nachdrücklich zum schnellen Handeln – gleichwohl ohne Scheuklappen. Atomkraft neuerer Prägung ist für ihn kein Schreckgespenst. 

Schreckgespenster identifiziert Pinker indessen auch ganz besonders im Hinblick auf den drohenden ökologischen Super-GAU: Es sind jene, die den Kopf in den Sand stecken. Es sind jene, die den drohenden Kollaps ignorieren. Und es sind jene, die sich der internationalen Zusammenarbeit verweigern. 

Plädoyer gegen Populismus

So ist das Buch denn auch ein entschiedenes Plädoyer gegen Populismus, Nationalismus, Sozialismus, reaktionären Konservatismus im Verbund mit Religion und natürlich gegen Großmäuler wie Trump und seine europäischen Nachahmer.

Und so darf man vielleicht am Ende dieser Buchempfehlung schreiben: Humanisten aller Länder – vereinigt Euch!