Liebe Leute,

wie im Märchen mit der Fee? Dann habe ich einen Wunsch: Zumindest alle, die in Politik und Journalismus zu tun haben oder in der Öffentlichkeit kraftvoll die Stimme erheben, mögen lesen – bevor sie schreien. Und was lesen? Die Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Warum?

Weil das 18 Seiten zählende Papier mit dem Titel „Coronavirus-Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden“ nicht nur wichtig ist, sondern auch gelungen. Aber was passiert seit der Veröffentlichung am gestrigen Ostermontag? Nichts Märchenhaftes jedenfalls. 

Erst lesen, dann motzen

Die Stellungnahme des höchsten wissenschaftlichen Gremiums Deutschlands, interdisziplinär arbeitend und mit hochrangigen, auch international angesehenen Wissenschaftlern besetzt, war kaum veröffentlicht – schon wurde verbal geschossen. Ja, Debatte muss sein. Und natürlich gibt’s Passagen, die mit der realen Schulwelt nicht harmonieren. Aber beim Lesen vieler dieser Kommentare im Netz habe ich mich sehr gewundert – und ich hätte gerne gefragt: Gelesen? 

Die Stellungnahme der Arbeitsgruppe der Leopoldina ist Politikberatung in Bestform: Die Komplexität verschwindet nicht, weil es keine einfachen Antworten gibt. Aber die Wissenschaftler zeigen mögliche (!) Wege auf – von der sanften Öffnung von Schulen, Geschäften, Restaurants über den Neustart von Unternehmen bis zur Erlaubnis von Reisen. Also nichts anderes als: wieder mehr Leben im Leben.

Für nachhaltige Wirtschaft

Doch für diesen Weg formulieren die Wissenschaftler eine Reihe von Bedingungen – Hygiene, Abstand, Schutzmasken tragen und, und, und. Denn in der Tat wird das künftige Leben und Arbeiten zunächst ein anderes sein müssen – bis es Medikamente und einen Impfstoff gibt. „Gratwanderung“ ist denn auch im Papier zu lesen!

Die Stellungnahme reicht aber weit über aktuelle medizinische Themen hinaus! Man erkennt es schon am Wort „nachhaltig“ im Titel: Jetzt gemeinsam das Ziel des europäischen „Green Deal“ anpacken.

Verantwortung statt Geschrei

Und: Die Wissenschaftler diskutieren mit großer Offenheit auch die aktuellen Eingriffe in unsere Grundrechte genauso wie die nach wie vor zu dünne Datengrundlage und was dagegen getan werden kann – mit Apps beispielsweise. 

Im Übrigen bietet das Papier für alle, denen soziale Gerechtigkeit am Herzen liegt, reichlich Nahrung! Und natürlich verweisen die  Wissenschaftler auf unverrückbare humanitäre Prinzipien.

Das ist viel, sehr viel – und Basis für Entscheidungen, die nicht alle am morgigen Mittwoch getroffen werden, wenn sich Bund und Länder verständigen wollen. Doch dass dieses Papier seit gestern auf dem Tisch der Kanzlerin liegt, dürfte sicher sein: Sie hat darauf gewartet. Lesenswert ist es für alle, denen verantwortliches Handeln wichtiger ist als kurzfristiges Geschrei.

Anmerkung: Das Papier der Leopoldina ist auf meiner Homepage zu finden – mit gelb unterlegten Passagen für die Eiligen unter uns… Wem das zu viel ist: Ein Link zur „Zeit“ mit einer strukturierten Zusammenfassung. 

Hier geht’s zur Stellungnahme der Leopoldina:

Leopoldina

Und hier zum Bericht der „Zeit“:

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-04/leopoldina-gutachten-coronavirus-lockerungen-kita-schule-ausgangsbeschraenkungen-covid-19