Liebe Leute,

diese Woche war Pisa-Zeit. Und wieder ein bisschen Schock-Zeit. Denn mit der Bildung der Kinder klappt’s in Deutschland nicht wirklich richtig gut. Schlechter geworden sogar. International nur Mittelmaß. Ein Fünftel der 15-Jährigen kann noch nicht einmal einfache Texte verstehen. Und klar wurde erneut: Der Bildungserfolg hängt in Deutschland massiv vom Elternhaus ab. Baden-Baden, nun ja, ist aber wieder einmal spitzenmäßig klasse…  

Die Kurstadt-Kinder sind nämlich nicht dämlich, sondern die klügsten überhaupt. Mehr als zwei Drittel wechseln nach der Grundschule aufs Gymnasium: Sage und schreibe 68 Prozent haben sich nach der vierten Klasse der Grundschule auf den Weg zur gymnasialen Vollreife gemacht (landesweit nur 43 Prozent). Platz 1 in Baden-Württemberg. 

Neue Gemeinschaftsschule

Während anderswo (seit Jahrzehnten) heftig gestritten wird, hat’s Baden-Baden auf den bildungspolitischen Olymp geschafft. Bravo. Hurra. So mir nichts, dir nichts hat sich in der Kurstadt die ehedem so verteufelte Gemeinschaftsschule durchgesetzt… Sie heißt halt Gymnasium.

Klar, die Eltern stimmen schon immer mit den Füßen ab. Sie wollen das Beste fürs Kind. Und auch klar, dass das Beste per Geburt schon geklärt ist. Man guckt den Neugeborenen ins Auge und weiß es sofort, spätestens aber bei der Einschulung: Abi. Wenn man denn zu den Gebildeten zählt. Dann, und nur dann hat man in der Regel auch genug Geld, um dem Nachwuchs notfalls schon in der Grundschule per Nachhilfe etwas mehr Reife mitzugeben… 

Kinder von „bildungsfernen“ Eltern, die zudem finanziell nicht gut situiert sind und zudem ausländischen Wurzeln haben… Pech. Sorry. Kann man echt nichts machen. Ist halt so. Die Wissenschaft warnt zwar seit gefühlten Ewigkeiten und sagt, dass man das ändern muss und auch ändern kann. Es gibt auch zuhauf Länder, in denen der Bildungserfolg nicht von den Eltern abhängt. Aber nun ja. Es geht ja auch nur um unsere Zukunft… 

Als es noch geraucht hat

De facto ist das dreigliedrige Bildungssystem in Baden-Baden längst abgeschafft. Auf die Realschule wechselten gerade einmal 23,6 Prozent. Und auf die Werkrealschule/Hauptschule… ähm, nun ja, wirklich nicht der Rede wert: 4,3 Prozent. 

Super interessant waren vor ein paar Jahren die Wechselquoten der einzelnen Grundschulen: Wie viele Kinder gehen in Balg, im Rebland oder der Cité oder sonst wo nach der vierten Klasse aufs Gymnasium? Da gab’s Werte zwischen 5 (Cité) und 71 Prozent (Balg)! Als ich damals darüber geschrieben hatte, hat’s geraucht – und seither ist diese Statistik nicht mehr öffentlich…

Jetzt ist klar, warum das so ist: In Baden-Baden haben sich die Probleme in gewisser Weise erledigt. Denn hier sind alle klug. Fast.