Liebe Leute,

Szenarien des Untergangs sind sehr beliebt. Und in der Debatte ist leider der Degen beliebter als das Florett. Immer feste druff! Aber muss man den berühmten Teufel immer gleich an die Wand malen? Weil sonst niemand liest oder zuhört?

Apropos Untergang: die SPD… Daran kommt ein politischer Mensch wie ich in dieser Woche nicht vorbei. Nun, man muss kein Weiser sein, um die Reformen unter Kanzler Schröder als eine der Ursachen auszumachen. Die Betonung liegt auf „eine“. Damals hat sich – sagen wir es mal so – eine gewisse Identitätskrise in Sachen Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik eingeschlichen. Und seither hat die SPD ihre Vorsitzenden fast genauso häufig gewechselt wie normale Menschen ihre Socken…

So etwas geht nie gut. Ist aber ein eindeutiges Indiz: Menschen – dazu zählen auch Parteimitglieder… – wollen wissen, wohin die Reise geht. Sie wollen Ziele. Sie wollen überzeugt werden. Sie wollen Glaubwürdigkeit. Sie wollen Authentizität. Sie wollen wahrgenommen werden. Wer das verkörpert, hat gute Chancen. 

Kompass verloren

Wie wir (nicht nur) am Beispiel der SPD sehen, verdampft derlei zwischenzeitlich indessen so rasch wie ein Tropfen Wasser in der frühsommerlichen Hitze… Man erinnert sich an den Hype um einen gewissen Martin Schulz? Schwups, vorbei.

Mit diesem Persönlichkeitsphänomen korrespondieren zwei weitere wichtige Gründe: Der Kompass ist verloren gegangen – und die Welt hat sich ziemlich schnell und ziemlich radikal verändert. Das trifft längst nicht nur die SPD.

Das hat fast alle „Volksparteien“ in Europa erwischt wie die weiche Kartoffel in der gleichnamigen Reibe. Deutschland war – bisher – davon verschont. Dafür hat unter anderem die wirtschaftliche Stabilität gesorgt. Auch das ist ein Wert! Redet darüber noch jemand? 

Markt allein richtet es nicht

Längst hat sich indessen gezeigt, dass der Rückzug des Staates unter der Flagge der Liberalisierung teils gravierende Folgen hatte und hat. Eines der Beispiele ist die Wohnungsnot. Man hatte – ob rot oder schwarz – die Förderung ad acta gelegt. Beweis genug: Der Markt alleine richtet es nicht! 

Zum Schluss noch eine Bemerkung: Derzeit wird ja viel über Klimaschutz geredet und geschrieben. Und auch ich halte das wie die meisten Menschen für ein zentral wichtiges Thema. Kein Wunder ist denn auch, dass die Grünen so dermaßen reüssieren. 

Gespannt wie ein Flitzebogen bin ich aber darauf: Wenn die nächste Wirtschaftskrise kommt… Und sie wird kommen… Und wenn denn mal klar beziffert wird, was der Klimaschutz (zurecht und zwingend) jeden einzelnen von uns kosten wird – etwa per CO2-Steuer… Dann kommt die Nagelprobe.