Liebe Leute,

das Neue Schloss… – ich muss schmunzeln. Sehr. Wenngleich ich zugebe: Es ist (auch) ein Trauerspiel. Der grundsätzliche Fehler indessen liegt zeitlich weit zurück. 

Ich selbst habe (in meinem ersten Leben…) über die Planungen rund um das Gemäuer ziemlich wahrscheinlich ein paar tausend gedruckte Zeilen geschrieben. Und so nehme ich mit einem gewissen Interesse zur Kenntnis: Im Januar soll über die sogenannte Aufhebung des Bebauungsplans entschieden werden. Zur Erinnerung: Die kuwaitische Schlossdame  Fawzia Al-Hassawi wollte ein Luxushotel mit einem mächtigen „Stützbau“ im Schlosspark verwirklichen… Dass daraus nichts wird, haben wir inzwischen ja alle verstanden.

Und insofern ist der Vorgang, den Bebauungsplan aufheben zu wollen, nicht viel mehr als Symbolpolitik. Denn die Dame hat Vorgaben nie erfüllt: Konzepte für Finanzierung und Betrieb lagen und liegen nicht vor. Im Kern ist die Sache also so: Man sagt jetzt Nein zu etwas, das es gar nicht gibt…

So etwas kann man tun – der tiefere Sinn bleibt mir verborgen. Aber nun gut, wenn sonst nichts Wichtigeres auf der Agenda steht… 

Das Wichtige – und damit zum Fehler beziehungsweise den Fehlern: In die Zeit von Ex-OB Wolfgang Gerstner fällt eine Art des vorauseilenden Entgegenkommens. Damals wurde – wenn auch nach langen Wehen – ein Fenster geöffnet: für den Neubau-Komplex neben dem Schloss. Ohne jenen ließe sich ein Luxushotel  im Schloss nun mal weder refinanzieren noch betreiben. Dieses offene Fenster war ein Signal an Al-Hassawi: Da geht doch was… Dass dann nichts mehr ging, geht allein auf ihre Kappe.

Falsche Politik

Doch der Grundfehler war – und damit zum Anfang dieser Geschichte: Die Stadt Baden-Baden hätte das Schloss spätestens im Jahr 2003 kaufen müssen. Ja, müssen. Damals verkaufte die markgräfliche Familie die steinerne und in Teilen marode Hütte für gerade einmal etwas mehr als drei Millionen Euro an Al-Hassawi. Schon zuvor – nämlich 1995 – hatte die markgräfliche Familie ihre Sammlungen und auch Inventar versteigern lassen. Einiges davon wurde auch vom Land teuer erworben. Dieses Geld wäre mal besser in den Kauf des Schlosses durch die öffentliche Hand investiert worden…

Das seit Jahren wie ein zäher Nebel in der Stadt schwelende Problem ist indessen nur ein Beispiel: siehe Vincentius-Areal, siehe SWR-Areal, siehe Hotel-Pläne im Bäderviertel. Eine vorausschauende Grundstückspolitik und mithin eine sozial-verträgliche Stadtentwicklung sehen anders aus. 

Ein Ergebnis davon: Populisten nutzen die Patzer weidlich aus. Ein Lehrstück sondergleichen!