Liebe Leute,

man darf das nicht mehr – Mann schon gar nicht. Aber für diese Worte könnte man die 14-Jährige Katharina Hattler, Preisträgerin der Landeszentrale für politische Bildung, doch knuddeln: „Gestalten Sie Nachrichten und Statements so, dass sie verstanden werden. Nehmen Sie die gesamte Bevölkerung mit, seien Sie offen, verstecken Sie Tatsachen nicht hinter leeren Aussagen.“ Das hat die junge Dame in einem Offenen Brief an die Landtagsabgeordneten geschrieben – und damit den Wettbewerb gewonnen.

In der Tat kommt Politik gar nicht selten in reichlich verquaster Sprache daher. Das ist umso schlimmer, weil Politik sich zuhauf ohnehin um viel dreht – aber die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen und deren Sorgen und Nöte kaum noch sichtbar sind. Ursache ist so eine Art Filterblase – ganz ähnlich jener, die wir in den sogenannten sozialen Medien dann erleben, wenn wir nur mit „Freunden“ kommunizieren. Also möge man den Politikern auch nicht pauschal einen Vorwurf machen.

Andererseits: Man wird ja gar nicht selten fusselig. Dieses hektische Tremolo und die damit einhergehende Dramatisierung lässt uns ja allesamt manchmal den Eindruck haben, auf der Erde und natürlich in Deutschland ginge es immer schlimmer zu. Tut’s aber nicht. Für verbreitete schlechte Stimmung in einem der reichsten Länder der Welt reicht’s trotzdem…

Einfach wieder böse…

Deshalb noch etwas zur Erheiterung – ganz lokal in Baden-Baden: Zu drei „Workshops“, also „Arbeitsläden“, sind die natürlich „interessierten Bürger“ (wer sonst?) eingeladen. Dort gibt’s Infos zur Stadtentwicklung bis zum Jahr 2030. Und sagen darf man auch etwas… Klar! Das nennt sich Bürgerbeteiligung.

Nun erinnere ich mich schildkrötenartig exakt an den Entwicklungsprozess fürs Jahr 2020. Damals fiel mir schon auf, dass von einer massenhaften Beteiligung keine Rede sein konnte: Es fanden sich weithin jene ein, die sowieso mitreden (und mitbestimmen). Insofern verwundert es auch wenig, dass politische Schwerpunkte und Debatten eben so sind, wie sie sind.

Und um zur jungen Dame und deren Brief zurückzukehren: „Nehmen Sie die Bevölkerung mit.“ Also diese Mitnahme wird im Falle Baden-Badens wahrscheinlich erneut nicht berauschend ausfallen. Das liegt nicht nur am falschen Konzept. Sondern: Die abendlichen Termine (2., 3., 10. Juli) sind gewissermaßen ideal… Ja, da finden Achtel- und Halbfinalspiele der Fußball-WM statt. Rein vorsorglich wahrscheinlich. Dann kann man schon nicht so lange debattieren…

Na gut, jetzt war ich wieder böse. Das geht einfach nicht weg. Das bleibt. Jesses… Und knuddeln darf man auch nicht mehr. Also bitte!