Liebe Leute,

wie im richtigen Leben: Manche „entfreunden“ sich. Manche sehen beim Nächsten zwar den „Alu-Hut“, nicht aber ihren eigenen Betonkopf. Wieder andere erkennen „Verschwörungstheoretiker“ oder Merkels „Lemminge“, die des selbstständigen Denkens nicht fähig seien. Verantwortung? 

Für die Leser meines Blogs, die nicht oder selten auf digitalen Plattformen unterwegs sind: Die Rede ist (auch) von Facebook. Dort wird der Ton (noch) schärfer.

Für mich als ehemaliger Zeitungsmensch, irgendwo daheim zwischen Print und Online, ist Facebook (auch) ein ungeheuer verdichtetes Frühwarnsystem – gewissermaßen ein gesellschaftliches Destillat. Vielleicht ein Grappa. Oder ein badischer Topinambur. Schmeckt nicht allen. Und tatsächlich: Die Dosis macht das Gift.

Faktenfreie Unkultur

Feststellen will ich: Fakten sind nicht nur die Basis für Information, sondern die Grundlage für Verständigung. Streit ist gewiss notwendig: Der Austausch von Meinungen hilft dabei, den richtigen Weg zu finden. Wer sich beim Austausch indessen nicht an (verifizierten) Fakten orientiert, ist mitverantwortlich dafür, dass Verständigung nicht klappt – und mitverantwortlich für die miserable Debattenkultur in Sachen Corona. Besser: Unkultur.

Früher nur im Dorf: Heutzutage wird täglich eine andere Sau durch’s Netz getrieben. Scharlatane helfen dabei, manchmal auch Wissenschaftler. Schlimm! Denn die Wissenschaft hat Netzwerke: Forschungen werden begutachtet! Beispielsweise: Die „Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften“ arbeitet interdisziplinär und ist – einfach ausgedrückt – gewissermaßen die höchste wissenschaftliche Instanz Deutschlands. Und zwar unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. 

Wenn sich Laien erdreisten…

Trotzdem erdreisten sich Laien, es besser zu wissen. Oder sie entdecken Wissenschaftler oder auch manche „Journalisten“, die durch Statements in „alternativen Medien“ nur noch mehr Verwirrung stiften – und finden das prima. 

Verantwortung? Dazu kann jeder und jede von uns mit etwas Logik beitragen. Diejenigen, die meinen, der Kurs in Deutschland sei völlig überzogen, mögen beispielsweise jeden Morgen nach Italien schauen. Oder nach Spanien. Oder nach… Wir sehen doch mit Tränen in den Augen, was in den Kliniken bei den Nachbarn los ist. Panikmache? Nö. Vielleicht kommt’s bei uns anders? Vielleicht! Niemand kann das heute (!) wissen.

Ja, einige Forscher arbeiten daran, Gewissheiten zu schaffen – auch um dem Leben, wie wir es kannten, wieder näher zu kommen. Doch sie brauchen Zeit, weil die Datengrundlage (noch) dem dünnen Eis beim Marsch über den (vermeintlich) gefrorenen See gleicht.

Ungewissheiten ertragen

Viele Ungewissheiten sind denn auch weiter zu ertragen – mit Anstand, Haltung und Respekt. Und Humanität. Auch das ist Verantwortung. Und dazu zählt, die oben erwähnte Sau einzuhegen – statt sie mit verächtlicher Kritik an „Staatsmedien“ zu verbreiten und zu vermehren. Welch’ Selbstüberschätzung! 

Um im Bild zu bleiben: Wenn an dem Schweinchen etwas dran ist, mithin also gesicherte Fakten und Wahrheit, taucht’s sehr schnell dort auf, wo (meist) seriös gearbeitet wird – in Zeitungen und bei den Öffentlich-Rechtlichen. Um auch einen Online-Auftritt zu erwähnen: Die „Zeit“ macht’s prima.