Liebe Leute,

„Wehret den Anfängen!“ Das schrieb eine befreundete Bloggerin kürzlich auf Facebook – mit Verweis auf die NS-Barbarei samt einem aktuellen Bezug. Ich habe vor Dramatisierung gewarnt. Das will ich erklären.

Um nicht völlig missverstanden zu werden: Rechte Ideologen sind mir genauso ein Graus wie Nationalisten. Und Faschisten muss mit aller Macht widerstanden werden – aber klug.

Die Klugheit beginnt damit: Wir wissen längst, dass diejenigen, die ziemlich weit Rechts ihr Unwesen treiben, auch kommunikativ gut organisiert sind. Auch deshalb ist die Fülle an hassgeprägter und menschenverachtender Gülle in den sogenannten sozialen Medien prägend – und nährt den Eindruck, derlei wäre mehrheitsfähig. Wenn auch noch wir, die unverdächtig sind, auf jeden Pups von rechts reagieren… – dann, ja dann nähren wir deren üble Propaganda.

Klare Haltung notwendig

Wichtig allerdings ist, dass diejenigen, die ganz professionell für die Publizistik in diesem Land verantwortlich sind, sich eines anderen Umgangs mit Propaganda und gezielter Provokation befleißigen. Und damit zurück zum Pups: Nicht jeder Schwachsinn muss gesendet oder gedruckt werden. Doch wenn es gesendet oder gedruckt wird, weil es wichtig und relevant ist, dann bedarf es einer klaren Haltung – sprich: Es ist einzuordnen und zu kommentieren. Manchmal geschieht das – oft genug leider nicht.

Wichtig für meine Begriffe ist auch: Ja, es gibt in diesem Land Rassismus, Nationalismus, auch faschistische Wirrköpfe. Aber, großes Aber: Lassen wir uns doch dieses Land nicht kaputt reden. Wir leben in einer freiheitlichen Demokratie mit einem hohen Toleranzniveau. Dass das so bleibt, dafür stehe jeder und jede ein – an seinem und ihrem Platz. Das ist unser aller Bürgerpflicht – gerade angesichts der geplanten Kampagnen der Rechtspopulisten auf europäischer Ebene. Sie wollen Europa und auch unser Land aus den humanen und von Werten gestützten Angeln heben.

Mehr Sonne als Schatten

Und deshalb ist es Zeit, sich auf die Errungenschaften zu besinnen, die uns einen – und eben auch das Positive zu kommunizieren. Der ständige Fokus aufs Negative, auf das, was nicht gut ist, und auf das, wonach sich die Rechtspopulisten sehnen, lässt die Probleme in der Tat größer und die Zukunft furchterregend erscheinen – und das zermürbt.

Deshalb: Es gibt Schatten in diesem Land – aber auch Sonne, viel sogar im weltweiten Vergleich. Die große Mehrheit mag’s hell. Mit den Dunkelmännern (und -frauen) müssen wir leben lernen. Sie gab es schon immer.