Liebe Leute,

die Erfolge der AfD… Ich möchte auf Fehler in der Auseinandersetzung hinweisen – leider geht’s nicht kurz und knapp:

  1. Die Ansammlung von Biedermännern und Brandstiftern erreicht ihre Wähler mit populistischen, einfachen Parolen – fernab der komplexen Realität. Damit aber prägen sie die politischen Debatten. Das muss aufhören. Wie? Die Themen nicht aufdrängen lassen – und die Defizite der AfD in der Sache und deren Folgen aufzeigen.
  2. Jeder populistische, nationalistische, würdelos Pups, oft mit gezielter Grenzüberschreitung, erhält besondere publizistische Verbreitung. Die professionelle Publizistik ist gefordert, ihre Kriterien zu überprüfen. Auch das Teilen in den sozialen Medien, um in guter Absicht auf Verfehlungen hinzuweisen, nutzt nur den Rechten.
  3. AfD-Wähler und Repräsentanten generell als Nazis zu bezeichnen, ist sachlich falsch, grenzt jene, die (noch) zu erreichen sind, aus – und führt nur zur Stärkung der Gegner einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft: „Wir gegen DIE!“ Zudem: Wer die AfD-Wähler als Nazis tituliert, relativiert (unbeabsichtigt) das Grauen des Holocaust. Das Regime der Nationalsozialisten hat Millionen Menschen jüdischen Glaubens ermordet!
  4. Die generelle Ausgrenzung der AfD-Wähler verleugnet die Ursachen des Wahlerfolgs. Die Gründe sind so vielfältig wie Menschen verschieden sind. Eine Analyse der Wahlergebnisse in Baden-Baden zeigt: Ihre Hochburgen hat die AfD dort, wo Russland-Deutsche leben. Ähnlich: Hügelsheim, Rastatt… Sind das Nazis? Nein. Vielmehr handelt es sich um Menschen mit einem oft reaktionären, antiquierten Weltbild. 
  5. Das allein müsste Mahnung sein zur Aufarbeitung dessen, was falsch gelaufen ist – und noch immer falsch läuft. Immerhin: Bei der Analyse des Wahlerfolgs im Osten ist man mittlerweile etwas differenzierter. Das ist eine Chance – aber auch nicht mehr!

Aufklärung und Widerstand

Um aber auch das klar zu benennen: Wer der AfD eine Stimme gibt, stärkt Nationalisten und Populisten, die keine zukunftstauglichen Lösungen bieten. Man muss auch aus Protest keine Partei wählen, die sich nicht trennt von jenen, die Intoleranz säen, Hass fördern oder mit Hetz-Parolen agitieren.

Das Schlimmste für mich: In deren Reihen sind Leute unterwegs, die Lunte legen, die Würde von Menschen verletzen, humanitäre Grundsätze nicht beachten – und das eigentlich Unsagbare sagen und damit den politischen Raum weit ins Rechtsextreme verschoben haben. Man duldet Nähe und Auftritte mit Rechtsradikalen. 

Christliches Mäntelchen

Das muss vor allem AfD-Politikern wie dem frisch gekürten kurstädtischen Europa-Abgeordneten Joachim Kuhs, immerhin Mitglied im Bundesvorstand, angekreidet werden: Er spricht von einer seriösen Partei, hängt sich als Führungsperson der „Christen in der AfD“ ein Mäntelchen um – und fährt auf dem Ticket einer Partei, die auch in den Parlamenten unchristliche, diskriminierende Parolen von sich gibt, gen Brüssel. 

Dagegen gibt’s nur eine Wahl: Aufklärung und Widerstand – aber eben bitte klüger als bisher… Und: Es braucht einen politischen Aufbruch in diesem Land – und in Europa. Visionen schaden nicht. Visionen können begeistern.