Liebe Leute,

Täuschung, Trickserei, Lügen…  Deshalb heute mal wieder etwas Medienpolitisches. Anlass: Der Spiegel… und mithin der Fall eines hochdekorierten Journalisten, der zahlreiche Geschichten mit Erfundenem garniert hat. Bei der Berichterstattung über den Fall und der (bisherigen) Aufarbeitung darf man sich die Augen reiben. Deshalb: 

Es gibt keinen Anlass, diesen Fall als „weiteres“ Beispiel für die „Lügenpresse“ anzuführen. In den (seriösen) Medienhäusern, wozu der „Spiegel“ natürlich zählt, wird in der Regel sauber gearbeitet – allerdings unter einem zunehmenden ökonomischen, zeitlichen und mithin auch für so manchen Kollegen oft nur schwer zu ertragenden Druck. Nichtsnutze, Täuscher und Schwindler finden sich in allen Berufen. Doch niemand würde etwa die Zunft der Architekten in toto verdammen, weil in der Nachbarschaft ein Haus zusammengefallen ist. Und das sollte auch beim Urteil über Publizisten gelten. 

Anlass indessen gibt es für den „Spiegel“ zu untersuchen, warum selbst ausgefeilte Sicherungsmechanismen versagt haben. Das läuft – wenn auch zäh.

Unangenehm, schwer erträglich und gar teils peinlich war indessen die anfängliche Selbstbespiegelung, die aus dem Hause „Spiegel“ serviert wurde. Man ist offenbar sehr berauscht von der eigenen Bedeutung und vermeintlichen Genialität – und zwar so sehr, dass man zu Beginn der Aufklärung statt der nüchternen Analyse nur Texte darbot, die vor Emotionalität nur so trieften.

Das wiederum passt zum Kern des Problems: Emotionalisierung ist inzwischen (auch) im Journalismus gang und gäbe. Und gewisse Gattungen und Stilformen, besonders die Reportagen und Essays, ähneln gar nicht selten eher einem dichterischen Genre. Man berauscht sich und die Leser mit teils grandios formulierten Beiträgen. Autoren nähern sich mithin der Schriftstellerei – statt schlicht aufzuschreiben, was ist. Damit einher geht häufig eine sehr subjektive Betrachtung: Man scheint sich wichtiger zu nehmen als die Menschen „da draußen“…

Dieses Land, diese Demokratie braucht aber Nüchternheit, Klarheit und den ständigen Versuch, der Wahrheit möglichst nahe zu sein. Wir brauchen im Journalismus keine preisgekrönten Dichterfürsten, sondern akribisch und unabhängig arbeitende sowie an den ethisch-moralischen Grundsätzen sich orientierende Autoren. 

Fakten statt Lebensgefühl. Nachricht und Einordnung statt Seelengeschwafel. Gelassenheit statt Schaum vor dem Mund. 

Was wir noch brauchen: Unterstützung für die (noch) vielfältige Zeitungslandschaft. Orientierung am Wesentlichen und Bedeutenden – mithin daran, was gesellschaftspolitisch relevant ist. 

Und: Vernunft und Verstand im Umgang mit den Faktenverdrehern,  Hetzern und Aufwieglern von Rechts. Es droht Gefahr. Vor allem im Osten. Punkt.