Liebe Leute,

„dumm ist, wer glaubt, was in Zeitungen steht und im Fernsehen kommt“… Derlei findet ungemein viel Zustimmung im Netz – bei den Rechtsaußen. Und mit jenen sollen wir also jetzt reden, wie ich vielfach las? Sie haben ja aus Protest und nur zum Teil aus Überzeugung die AfD gewählt? 

Um nicht missverstanden zu werden: Man muss reden mit jenen, mit denen man reden kann. Wer für Fakten zugänglich ist, wer sich offen zeigt – reden. Aber es ist viel geredet worden – und dennoch haben mehr als jeder vierte Sachse und mehr als jeder fünfte Brandenburger diese Partei gewählt. Ja, es hätte schlimmer kommen können. Doch das tröstet mich nicht.

Jetzt zeigt sich die Wahrheit

Denn: Jetzt zeigt sich die Wahrheit auch in den Wahlergebnissen. Und wenn wir nicht aufpassen, dann wird sich eine Dynamik entwickeln wie in Ungarn oder Frankreich oder Italien oder England oder Brasilien oder – den USA… Wir leben in einer Zeitenwende. Wir leben in einer Zeit, in der unsere Werte infrage gestellt werden, ja in der die humanistische Zivilisation zu wanken beginnt. 

Nein, ich neige nicht zur Dramatik. Und ich zähle auch nicht zu jenen, die morgens aufstehen und sich in der Apokalypse am Wohlsten fühlen. Dafür ist die Erde zu schön, Deutschland zu schön, die Kapverden zu schön. Doch jetzt offenbart sich auch bei uns, was sich längst abgezeichnet hat. Ich will mich dabei auf zwei Aspekte beschränken: das Niveau der Debatte und die Einstellung zur Demokratie.

Taugt nichts, weg damit

Bis weit in die Mitte der Gesellschaft wird lieber gepoltert statt rational argumentiert. Man verleiht seinen Gefühlen Ausdruck. Rechtsaußen sowieso. Man will sich ja nicht mehr intellektuell quälen müssen – endlich darf man wieder sagen, was man schon immer mal sagen wollte… Mal trifft es „links-versiffte“ Redaktionen, mal trifft es Ausländer, mal Flüchtlinge, mal die Faulen in der Hängematte – und meistens das gesamte System, das zum Einsturz gebracht werden soll. Taugt nichts, weg damit. 

DAS, liebe Leute, ist im Kern das Ziel der Rechten: Destabilisierung der humanistischen demokratischen Gesellschaften. 

Umfragen beängstigend

Und ich frage mich ernstlich, wie lange wir dabei noch zuschauen. Richtig, viele widerstehen, engagieren sich. Und wir sind mehr, viel mehr. Aber, und damit zu Aspekt Nummer zwei: Die Umfragen in Sachen Demokratie sind beängstigend – und zwar schon lange. 

Nur sieben (!) Prozent der AfD-Wähler sagen, dass sie die Funktionsweise der Demokratie gut finden. Sieben! Und die Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) ist unzufrieden damit, wie die Demokratie funktioniert – ein historischer Tiefstand laut Friedrich-Ebert-Stiftung. 

Probleme lösen!

Liebe Leute, es gilt, Probleme zu lösen. Jene reichen von zu hohen Mieten über Strukturprobleme im Osten wie im Westen über mangelnde Integration bis hin zu Renten, die viele in der Armut zurücklassen – und eine Kommunikation, die die Menschen erreicht und die sie verstehen. 

Aber es gilt jenen, die auch diese Probleme zur Emotionalisierung und Verführung nutzen, zu widerstehen. Sie wollen nicht die Probleme lösen – sie wollen eine andere Gesellschaft. Ich nicht. Denn ohne Humanismus ist alles: nichts.