Liebe Leute,

… wahr ist, was mir gefällt – oder: mir gefällt, was wahr ist? Nähern wir uns der Antwort mit einem ganz wunderbaren Beispiel aus der Social-Media-Redaktion der „Tagesschau“. In dem Video samt Grafiken geht es um „Fakt und Fiktion“ in Sachen Migration und Religion. 

Ich ganz persönlich halte den Tagesschau-Post für ein grandioses und seriöses Stück Journalismus: Ein Sachverhalt wird komprimiert, mithin von Überflüssigem befreit. Und: Inhalt (neudeutsch: Content) sowie Optik (neudeutsch: Visualisierung) bilden eine Einheit ohne jegliches Rätsel. Und mit meinem journalistischen Blick wünsche ich der Tagesschau-Seite möglichst viele Follower, Freunde, Fans… Warum?

So geht das!

So geht das! Genau das braucht die von Rechts gefährdete Demokratie. Natürlich, ich glaube nicht daran, dass rechte Dumpfbacken sich durch faktenbasierte Berichterstattung beeinflussen ließen, nein. Ihnen geht es ja nur darum, dieses „System“, mithin diesen Staat ins Wanken zu bringen. Es geht ihnen um Destabilisierung. Und gerade deshalb sind Beiträge wie der zitierte so wichtig: Für all jene, die sich nicht kirre machen lassen. Für all jene, die vielleicht wanken. Und für all jene, die keine Tageszeitung mehr abonniert haben. Deren Anteil wird leider immer größer…

Gerade deshalb ist die Präsenz in den sogenannten sozialen Medien so wichtig: Es kann und darf nicht sein, dass die Faktenverdreher mit ihrer gefälschten Wirklichkeit eine immer stärkere Wirkung erzielen. Es kann und darf nicht sein, dass jene, die sich aufrichtig und ehrlich um die Wahrheit bemühen und den geordneten Diskurs pflegen, dies nur im Feuilleton tun. Da, wo es wehtut, mithin auf Facebook und Instagram und Twitter, müssen Korrektive geschaffen werden. Räumen wir nicht das Feld!

Verluderung des Denkens

Das aber ist – zugegeben – schwer. Und damit nochmal zurück zum gelobten Beispiel: Was unter dem Post an verquerem Mist zu lesen ist… Man bekommt Schnappatmung. Und um es ganz deutlich zu sagen: Man mag sich – wie ich auch – an so mancher Meinung stören. Das muss man aushalten. Was mich indessen fassungslos macht: So viele Menschen akzeptieren die Fakten nicht mehr. Vier Prozent Muslime in Deutschland! „Lügenpresse“ etc….

Man muss diagnostizieren: Längst ist nicht nur die Verrohung der Sprache und damit des Diskurses zu beklagen. Sondern zudem beängstigend ist im Kern die Verluderung des Denkens. Wenn Sprache – ob geschrieben oder gesprochen – in der Öffentlichkeit mehr Ausfluss von Emotionen und Stimmungen als das Ergebnis des Denkens auf der Basis von Verstand und Vernunft ist – dann, ja dann ist mehr als nur Hopfen und Malz verloren. 

Kein Respekt für Fälscher

Wenn nur noch wahr ist, was mir gefällt, wie ein Pfarrer dieser Tage morgens im Radio feststellte, dann geht mit der Missachtung unserer geistesgeschichtlichen Tradition auch die Debattenkultur und mithin die Demokratie über den Jordan. Soweit ist es noch lange nicht, ja. Aber es gilt, Flagge zu zeigen. Und laut und deutlich zu sagen: Für mich ist nicht nur das wahr, was mir gefällt. Mir gefällt, was wahr ist! Ob mir die Wahrheit (Fakten) gefällt oder nicht!

Das bedeutet auch: Respekt für andere Meinungen, die sich an Fakten orientieren. Wer aber Fakten fälscht oder bewusst (!) missachtet, verdient keine Anerkennung. 

 

 

Und hier ist der Beitrag der Tagesschau:

Fakt und Fiktion bei Migration und Religion

Bei den Deutschen liegt gefühlte Wahrheit und Realität besonders weit auseinander.

Publiée par tagesschau sur Mercredi 16 janvier 2019