Liebe Leute,

es muss Goethe zitiert werden: „Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen.“ Diese Mahnung ist heutzutage wichtiger denn je – weil, ja weil man gar nicht mehr ankommt… 

Das Automobil gleicht längst mehr einem Autoimmobil. Wer unterwegs sein will oder muss, dem ist zu raten: nachts! Vielleicht noch am ganz frühen Morgen. Aber sonst: Staus. In und rund um Großstädte: Chaos. Selbst in kleineren Städten wie hier bei uns immer wieder… Deshalb habe ich erkannt: Navigationsgeräte sind nicht erfunden worden, um den Fahrern den Weg zum Ziel zu weisen. Nein! Es geht einzig und allein darum, einigermaßen zeitnah die sich immer wieder neu bildenden Staus zu umfahren und im Zuge dessen verschlafene kleine Orte und verkehrsberuhigte Zonen kennenzulernen. Das und nix anderes ist Sinn und Zweck der Navis!

Man versteht’s nicht

Dann wäre da als Alternative die ökologisch sinnvollste Variante fürs Reisen zu nennen. Ähm, ja, die Bahn… Richtig! Funktioniert einigermaßen prächtig, wenn man nicht umsteigen muss. Einsteigen, gucken, was so passiert, ankommen. Aber es passiert (fast) immer etwas. Nur andeutungsweise sei hier von ausfallenden Zügen und Unpünktlichkeit die Rede. Und nur andeutungsweise sei erwähnt, dass die Kommunikation der Bahn in den Fällen, wenn etwas nicht nach Plan läuft (also immer!), zu wünschen übrig lässt. Man versteht’s auch gar nicht – also schon akustisch nicht.

Man isst, wo man ist

Und damit sind wir beim Flugverkehr – und einer erstaunlichen Parallele zur Bahn: Wer saß schon einmal in einem Flieger und hat die Durchsagen verstanden? Bitte bei mir melden! Also ganz ehrlich wie immer: Ob in einem Airbus oder einer Boeing – den Durchsagen wohnt ein akustisches Niveau inne wie weiland meinem ersten (superlittrigen) Kassettenrecorder mit seitlicher Lautsprecheröffnung… Und – vielleicht eine Petitesse, aber: Das Menü einigermaßen unfall- und mithin fleckenfrei zu verspeisen, ist technisch und aus Platzgründen angesichts von herzerfrischend kunstvoll verpackter Vor-, Haupt- und Nachspeise samt Getränk auch schlicht denkunmöglich… (Beweis: siehe Foto)

Und: Man weiß auch in der Fliegerei längst nicht mehr, ob die Flieger auch fliegen und ob’s zeitlich klappt – dann isst man halt, wo man ist. Vorsichtshalber. 

Warum klappt es nicht?

Jedenfalls – und das ist eigentlich der Kern dieser Geschichte: Warum schafft es ein hochentwickeltes Land nicht, eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur aufzubauen? Ja, stimmt, es gibt Länder, da klappt’s auch nicht. Denken wir an Italien oder so. Dort ist Zugfahren aber wenigstens billig. Wenngleich nur dann, wenn man nicht schnell am Ziel sein muss… 

Womit wir wieder bei Goethe wären. Natürlich meinte der gelehrte Dichterfürst, dass das Reisen an sich bedeutend sei – und eben nicht das Ankommen. Er war damit wie so oft der Zeit voraus: Der Weg ist das Ziel. Läuft!