Liebe Leute,

Ihr kennt Rezo? Ja, diesen Youtuber… „Zerstörung der CDU“ und so… Schauen wir doch mal genauer hin. Spannend!

Rezo, dessen echter Name öffentlich nicht bekannt ist, soll 26 Jahre alt sein und in Aachen leben. Sein „Zerstörungsvideo“ kurz vor der EU-Wahl hat bis jetzt 14,9 Millionen Menschen erreicht. Das ist etwas mehr als die tägliche Auflage aller (!) deutschen Zeitungen! Allein schon dadurch: höchst relevant. 

Großes Team dahinter

Wenn es denn ein junger Mann wäre, der so mir nichts, dir nichts mal so seine Meinung kundtat und aus seinem Herzen keine Mördergrube machen wollte… Diese Freiheit hat jeder. Gut so. Doch diese sagenhafte Verbreitung hat Gründe. Denn: Rezo ist kein Menschlein von nebenan – Rezo ist ein Profi, der ein Management- und Administratorenteam hinter sich hat: Tube One Networks mit Sitz in Köln. 

Tube One ist eine Agentur, die nach eigenen Angaben „Zugriff auf einen großen Pool an Social Influencer“ hat und Kampagnen „crossmedial kreiert“. Crossmedial heißt: nicht mehr nur gedruckt, sondern digital im Internet, Radio, TV. Das hat prima geklappt. Folge davon: eine gesellschaftspolitische Debatte.

Influencer kann man kaufen

Die „Social Influencer Agentur“ Tube One hat zahlreiche „Umfelder“ unter ihren Fittichen. Rezo ist mit zwei YouTube-Kanälen mit mehr als 2,5 Millionen Abonnenten ganz vorne mit dabei: Die Agentur Tube One zeigt auf ihrer Homepage „5 von 1500 Kanälen unserer Umfelder“. Rezo hat demnach 250 Millionen (!!) Views – pro Monat!! Und natürlich kann man diese Influencer (von englisch to influence ‚beeinflussen‘) buchen – kostet halt… Und zwar gar nicht wenig. 

Rezo, der (passend zur Zielgruppe) meint, dass „alte Menschen unser Leben ruinieren“ (Zitat), ist also im digitalen (und wahrscheinlich im realen) Leben prächtig unterwegs. Dazu trägt wesentlich bei: Tube One ist ein Tochterunternehmen der Ströer-Gruppe – ebenfalls Köln. Die Adresse ist identisch.

Medienriese hat t-online gekauft

Die Ströer-Gruppe (1,6 Milliarden Umsatz in 2018) ist ein Riese in der Branche: Ob Außenwerbung etwa an Bahnhöfen oder Vermarktung von „mehreren 1000 Webseiten“ (eigene Angaben) – in der digitalen Welt eine Macht. Zur Ströer-Gruppe zählt auch: t-online.de . Ja, die Telekom hat ihre Plattform im Jahr 2015 an den Medienriesen Ströer verkauft. 

t-online.de wiederum erreicht pro Monat nach eigenen Angaben 47 Millionen Nutzer. Und: Die redaktionellen Inhalte stammen von der Ströer News Publishing GmbH. Zitat: „Herzstück der Ströer Digital Publishing GmbH ist die Nachrichten-Website t-online.de – Deutschlands führendes Angebot für News und Ratgeberinhalte, E-Mail und E-Commerce.“ 

Shirts und Mützen im Shop

Und natürlich hat t-online.de mehrfach über Rezo berichtet – auf diversen Kanälen. Und natürlich hat Rezo einen eigenen Shop im Netz – dort gibt’s T-Shirts und Mützen… Die Sektkorken dürften geknallt haben. Denn: So geht (neudeutsch) „digital campaigning“. So geht (auch) politische Kommunikation.

Aber bitte glaube niemand die Geschichte vom jungen unbedarften Youtuber, der sich plötzlich in die Politik verirrt hat. Es ist nämlich nicht zum ersten Mal… Und wir dürfen sicher sein: nicht zum letzten Mal. Die Marke läuft. 

Foto: Screenshot Seite google-suche