Liebe Leute,

holla, die Waldfee. Hätte es noch eines Beweises für die Personalisierung in der Publizistik und mithin in der gesellschaftspolitischen Debatte bedurft: Mesut Özil sei dank.

Spätestens jetzt müsste auch jenen, die sich nicht wirklich für Medienpolitik interessieren, klar sein: Um die Sache geht’s immer weniger. Denn wenn es tatsächlich um Integration und mögliche und wirkliche Versäumnisse ginge – dann gäbe es dafür so ungefähr 365 Tage im Jahr Gelegenheit…

Doch das macht ja nichts her. Da kommt so ein Fußballer mit türkischen Wurzeln gerade recht. Und bald jeder tatsächliche oder vermeintliche Spitzenpolitiker, der etwas auf sich hält, muss das Wort ergreifen. So entstehen Erregungswellen – bis zum nächsten Schweinchen, das durch’s Land getrieben wird.

Nun, gewiss wäre auch Mesut Özil wie andere Fußballer durchaus in der Lage, etwas über sich und seine Sicht zu sagen. Er hätte  – vor und während und nach der WM – ausreichend Gelegenheit gehabt. Er tat es nicht. Warum?

Weil auch hinter Özil ziemlich einflussreiche Leute stehen, die ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Da ist ein gewisser Erkut Sögüt – Inhaber mehrere Firmen im Sportmarketing. Er berät und betreut Özil seit vielen Jahren. Eben jener Erkut Sögüt ist – wie die FAZ berichtet – von Harun Aslan in die Spielerberaterbranche eingeführt worden. Aslan wiederum ist selbst eine Macht in diesem Geschäft – und zudem der engste Berater von Bundestrainer Joachim Löw… Alles klar? Nein?

Kann man sich noch wundern, dass ob dieses Beziehungsgeflechts auch die Kommunikation des Deutschen Fußballbunds nicht sachgerecht klappt? Eigentlich nicht. Und natürlich ist das Foto mit dem Autokraten Erdogan – schlicht Auslöser dieser seltsamen Debatte – ganz gezielt eingefädelt worden. Und natürlich hat Özil seine jetzt vermeintlich von ihm stammenden Rassismus-Vorwürfe nicht selbst geschrieben – ziemlich sicher noch nicht einmal sein Berater. Man lässt derlei schreiben – und ist an einer ernsthaften Debatte über Integration doch gar nicht interessiert. So wenig wie der türkische Präsident, der Özil nun die Augen küssen will vor Freude…

Jesses, im publizistischen Krieg wird versucht, uns allen Sand in die (ungeküssten) Augen zu streuen. Die Schreihälse besetzen die verbalen Schießscharten und feuern. Und so lodert eine krude Debatte immer weiter. Anderes wäre zwingend: eine an Werten orientierte Integrationskultur aus Fördern und Fordern.