Liebe Leute,

der Ungeist ist längst aus der Flasche. Und wie schnell und vor allem wie stark sich dieses Gift wider die Aufklärung, mithin die Humanität verbreitet hat und wirkt: dafür ist der Wechsel des AfD-Bundessprechers Jörg Meuthen zum Kreisverband Baden-Baden ein weiterer Beweis. Doch „Flucht“, wie es häufig heißt? 

Mit einer großen Portion Sarkasmus darf man Meuthen dankbar sein. Denn der Abschied aus der Ortenau ist ein Beleg dafür, was in der AfD seit geraumer Zeit (nicht nur im Badischen) läuft – nämlich die inhaltliche „u n d“ personelle Radikalisierung.

Flucht? Wohin denn?

Meuthen hat in seinem (ehedem) heimatlichen Kreisverband in der Ortenau die Gefolgschaft verloren. Dort führt der Landtagsabgeordnete Stefan Räpple das unappetitliche Wort und gibt die Richtung vor. Doch „Flucht“ ist Meuthens Abgang nicht – weil Flucht gar nicht mehr möglich ist: Wohin denn? Er ist kein einfaches Mitglied, sondern Sprecher der Bundespartei!

Es mag sein, dass es im Kreisverband Baden-Baden an der Seite des anderen (kurstädtischen) EU-Abgeordneten Joachim Kuhs, übrigens ebenfalls im AfD-Bundesvorstand, auch intern vergleichsweise heimelig zugeht. Und gewiss wäre falsch, Meuthen und Kuhs als Rechtsradikale oder -extremisten zu bezeichnen. Und Meuthen ist nicht der erste (und letzte) Politiker, der sich eine „neue“ Basis suchen muss. Derlei passiert auch in anderen Parteien. Doch die AfD ist nun wahrlich (fast) unvergleichlich: Sie ist von einer Euro-kritischen Bewegung zu einem Sammelbecken von Rechten,  Rechtsaußen und Rechtsganzaußen mutiert. CSU-Chef Söder, nun wahrlich kein Linker, sagte im vergangenen Herbst: Die AfD ist die neue NPD.

Sachthemen entzaubern nicht

Mit Verwunderung, die größer denn kleiner wird, nehme ich denn auch zur Kenntnis, dass immer wieder und immer noch mögliche Kooperationen mit dieser Partei erwogen werden. Und gar nicht selten ist auch von Autoren zu lesen, man müsse die AfD mit Sachthemen stellen. Mit Verlaub: Mit einer Partei, die sich gesellschaftspolitisch radikalisiert, Hass und Hetze befördert statt eingrenzt, redet man nicht über (beispielsweise) Verkehrspolitik. 

Wer meint, die AfD mit Sachthemen gewissermaßen entzaubern zu können, hat den Kern von Populismus, Nationalismus und Faschismus nicht verstanden. Und wer das nicht verstanden hat, zieht die falschen Schlussfolgerungen. Hilfreich wäre, mal eine Veranstaltung der AfD zu besuchen – oder sich auf den Profilen von AfD-Leuten umzugucken. Dann weiß man/frau schnell, was die Leute wollen… 

Steigbügelhalter der Brandstifter

Und wer derlei als Mitglied des Bundesvorstands (!) duldet, hat in meinen Augen jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Allein der Anstand würde denn auch gebieten, dieser Partei den Rücken zu kehren – zumal längst klar ist: Wer den sogenannten „Flügel“ auch nur ansatzweise kritisiert, wird höchstens noch geduldet als bürgerliches Feigenblatt. Und so sind die Biedermänner nichts anderes als die Steigbügelhalter der feixenden Brandstifter. 

Jene wollen, was in anderen, auch europäischen Staaten längst nicht mehr nur zu beobachten, sondern teils schon eiserne Politik geworden ist: die Abwicklung der liberalen Demokratie, das Ende einer freiheitlichen Gesellschaft.

Der Ungeist ist nicht mehr nur aus der Flasche – er manifestiert sich allenthalben. Und wer das für furchtbar übertrieben hält: Nichts wird völlig anders am Tag X – das Gift wirkt schleichend.