Da sage nochmal jemand, Politik sei nicht spannend… Jetzt wirbelt’s die CDU durcheinander. Dahinter steckt im Kern ein seit langem währender, immer mehr aufbrandender Richtungsstreit. Das könnte dramatische Folgen haben – nicht nur für die CDU, sondern für die Demokratie: Die AfD wartet nur auf das Zerbröseln…

Mehr Konservatismus, mehr Werte, mehr Führung – für diesen Kurs werben einige Protagonisten. Aus demokratietheoretischer und -praktischer Sicht wäre ein moderater Schwenk nach dem angekündigten Rückzug der Parteichefin AKK nützlich und sinnvoll: Die CDU könnte wieder jene gewinnen, die aus konservativen Überzeugungen enttäuscht oder gar abgewandert sind. Womöglich gelänge es sogar, zumindest einen Teil der AfD-Wähler zurückzugewinnen und mithin einzubinden ins demokratische Spektrum – ohne faschistoide Typen. 

Für diesen Weg sprechen auch die Überzeugungen vieler Wähler. Dafür muss man nur an die Umfragen der vergangenen Jahre erinnern: Recht und Ordnung, mithin Sicherheit, finden sich immer ziemlich weit vorne auf der Rangliste… 

Klar, der politischen Befriedigung derer, die sich eher rechts und konservativ verorten, folgt die Enttäuschung von jenen, die eher liberal-sozial denken. Sozialdemokratisierung der CDU lautet das Stichwort… Ich hielt und halte diesen Begriff zwar für falsch. Doch tatsächlich waren die Schnittmengen von CDU und SPD ja recht groß – was wiederum die eher Linken in der SPD massiv stört.

Die AfD wartet nur…

Insofern kann ein moderater Rechtskurs bei zwingend klarer Absage an Kooperationen mit der AfD auch die Unterscheidbarkeit der Volksparteien (…) fördern. Die Pünktchen stehen dafür: vorbei! Die SPD ist im Westen u n d im Osten bis auf die liebenden Getreuen geschrumpft, die CDU ist im Osten dezimiert, hält sich aber im Westen noch so einigermaßen. Doch die Zeiten der wirklich großen Parteien, die aus Traditionen und Bindungen anhaltend Nektar saugen, ist vorbei. Die Wähler sind: ja, wählerischer geworden. Und wechselwilliger.

Wer gesellschaftspolitische Entwicklungen und Themen, die die Menschen bewegen, verpasst – verliert schnell und viel. Wer – wie die Grünen am Beispiel von Winfried Kretschmann – Ökonomie „u n d“ Ökologie zumindest versucht zu versöhnen und Glaubwürdigkeit verströmt mit einer auch klaren Kommunikation, hat ein tragfähiges Fundament. Zumindest verschreckt’s die Mitte nicht. 

Jene ist nun mal noch immer entscheidend. Denn die Menschen in ihrer großen Mehrheit mögen weder linke noch rechte Extreme. Aber sie wollen Konturen! Und eine klare Richtung. Jene wird (nicht nur) in der CDU massiv vermisst.

Auch insofern kann man nur hoffen und wünschen, dass die CDU schnell zu Potte kommt – andernfalls wird’s gefährlich. Beispiele in Europa gibt’s genug. Die AfD steht vor der Tür…