Liebe Leute,

nicht Freunde, sondern „Ziemlich beste Feinde“ – so könnte der Titel eines Film lauten: meist unversöhnliche Debatten über Corona allüberall. Schade und gefährlich zugleich. Denn: Es gibt nie nur Schwarz oder Weiß. Und eine Lösung gibt’s auch. Welche? Ja – aber!

Vorweg im Hinblick auf Äußerungen von Prominenten jeglicher Couleur, die für Schlagzeilen gesorgt haben: Die Würde des Menschen – jedes Menschen! – ist im Grundgesetz garantiert. Unantastbar! Und das schließt den bestmöglichen Schutz von allen Menschen zwingend ein. Von allen! Das ist ein Gebot der Humanität.

Schmerzlicher Spagat

Klar ist aber auch: Die Bekämpfung einer Pandemie wie jene, die wir erleben, führt zwangsläufig zu einem Konflikt zwischen Freiheitsrechten und dem Schutz von Menschen. Letzterer hat auch humanistisch geprägte Gesellschaften zur Einschränkung von Freiheiten bewogen. Ein Spagat, schmerzlich für viele, doch längst nicht so heftig wie etwa in Frankreich.

Deutschland steht im internationalen Vergleich gut da. Anders als etwa in Italien und anderswo waren die ersten Infektionscluster sehr früh erkannt worden – und die Infizierten waren glücklicherweise und vergleichsweise gesund und jung. 

Die höchsten wissenschaftlichen Gremien und die größten Forschungseinrichtungen raten in diesen Tagen erneut, die  Strategie der Eindämmung beizubehalten. Das war schon Mitte April so. Lockerungen wurden an Voraussetzungen geknüpft: Masken, App, Testung des Immunitätslevels! Gelockert wurde trotzdem… Zwischenzeitlich tragen wir Masken aller Art. Die Testkapazitäten sind hoch – werden aber nicht genutzt. Aber auf die App warten wir immer noch…

Tiefe Furchen

Wie stark die mögliche (!) zweite Welle oder eine dritte im Herbst/Winter wird, kann niemand trotz derzeit offenbar erfreulichen Zahlen prognostizieren. Aber ein Zurück ist nicht mehr möglich. Das würde ein finanziell und wirtschaftlich potentes Land nicht mehr tragen können – und nach seriösen Berechnungen wäre die Hälfte der Betriebe und Unternehmen in wenigen Monaten pleite. Schon jetzt zeigen sich die tiefen Furchen der Verwüstung. 

Will heißen: Wir müssen mehr Leben im Leben und mithin auch wieder mehr Arbeit ermöglichen – gleichwohl ein anderes Leben und ein anderes Arbeiten! Und zwar mit Verantwortung aller – und natürlich samt Schutz besonders der mehr Gefährdeten, mithin der Älteren und Kranken und Vorerkrankten und… 

Klare Regeln!

Wie das geht? Am 16. April hat die Bundesregierung klare Regeln für den Arbeitsschutz und mithin alle (!) Betriebe beschlossen! Langweilig? Mitnichten. Hygiene, Abstand, Masken und, und, und… Das ist in weiten Teilen auch in der Gastronomie und Hotellerie sowie anderen Branchen möglich. Im Freien sowieso. Aber eben mit Abstand und allem anderen!

Wir wissen es doch mittlerweile: Hygiene und Abstand sind die Grundpfeiler. Masken helfen zudem. Ferner brauchen wir die anonymisierte, dezentral verankerte App. Denn es gilt, das unvermeidliche Aufflackern von Infizierungen schnell zu orten und einzudämmen.

Wir haben die Wahl

Und was die (kleinen) Kinder und die Schulen betrifft: Wie ich finde, das schwierigste Thema. Kleine Gruppen bilden oder wechselweise – oder daheim bleiben bis auf die Prüflinge? Infizierte Kinder haben eine Viruslast wie Erwachsene – und wahrscheinlich sind sie genauso infektiös. Das Schuljahr? Es gibt derzeit wirklich Wichtigeres. Etwa den Aufbau von zusätzlichen Betreuungskapazitäten.  

Dennoch, wir haben die Wahl – zwischen Schwarz oder Weiß. Der Weg ist gangbar und schützt auch die besonders Gefährdeten. Abstand, Hygiene, Masken, App! Das ist das Aber zum Ja! Und darauf müsste man sich verständigen können – oder?


Foto: Image by Jose Antonio Alba