Irgendwann wache ich vielleicht morgens auf – und verstehe es. Bis dahin: Auch aus kommunikativer Sicht macht das ständige Abarbeiten an der strategisch geplanten, mehr als unappetitlichen Pupserei der Nationalisten und Populisten keinen Sinn. Es ist gar gefährlich.

Um nicht gleich missverstanden zu werden: Mit der AfD darf es weder Kooperationen noch Zusammenarbeit geben. Warum? Auch führende, prägende Köpfe der AfD wollen das Ende dieses „Systems“, das Ende des rationalen Diskurses, ja das Ende dessen, was man gemeinhin als Humanismus bezeichnet. Das steckt in Wahrheit unter dem Mäntelchen der vermeintlichen „Bürgerlichkeit“.

Populismus hat Ursachen

Leider sind derlei Bestrebungen in vielen Ländern sehr erfolgreich. Doch Populismus und Nationalismus haben immer Ursachen. Mithin gibt es also Gründe, weshalb plötzlich liberale, offene Demokratien zu wanken drohen. Und nicht nur die Soziologen und Politologen liefern uns Ansätze und Muster zur Erklärung dieses Phänomens. 

Diese Erklärungen beweisen: Nationalismus und Populismus oder gar Faschismus bekämpft man nicht, indem man unablässig sagt, wie widerwärtig man Nationalisten, Populisten und Faschisten findet. Man bekämpft Nationalisten, Populisten und Faschisten auch nicht, indem man ihre Halbwahrheiten, ihre Provokationen, ihre gezielten Grenzüberschreitungen, und ja: ihren oft inhumanen Dreck ständig aufgreift, in digitalen Medien vermehrt, die eigene Empörung mitteilt und gleich noch „Nazi“ brüllt. Das sorgt für nichts als weitere Aufmerksamkeit – und löst überhaupt gar kein Problem. 

Nicht in die Falle tappen

Beispiel USA: Dort ist ein egozentrischer Lügenbeutel noch immer Präsident. Was machen die Demokraten? Sie arbeiten sich an ihm ab, überbieten sich dabei gegenseitig – und tappen damit in die Falle.

Beispiel Italien: Die Probleme sind mit Händen zu greifen. Und ja, die Demonstrationen gegen Salvini sind richtig und wichtig. Aber das genügt nicht – wie die Umfragen leidvoll beweisen. 

Und bei uns? Laut einer aktuellen Umfrage von Allensbach sind nur noch 57 Prozent der Deutschen von der „politischen Stabilität“ als Stärke dieses Landes überzeugt – vier Jahre zuvor waren es noch 81 Prozent!

Orientierung fehlt

Das ist eine Folge nicht nur der tatsächlichen Abgründe, die sich bei den Rechtsaußen auftun, sondern: Wer den Teufel ständig an die Wand malt, sieht irgendwann nur noch den Teufel – und landet in einem Teufelskreis der (vermeintlichen) Ausweglosigkeit. Diese (vermeintlich) verschlossenen Türen werden zudem befördert, weil andernorts der Kompass verloren gegangen ist: So manche Partei kreist (auch in Personalfragen) um sich selbst – während die Menschen nach Orientierung in drängenden Zukunftsfragen lechzen. Das muss man bedauern – und zwar völlig egal, wo man politisch steht. 

Auch vor dem Hintergrund der oben zitierten Umfrage: Ich habe große Zweifel, dass „d i e“ Politik versteht, was sich im Land gerade tut… Allein durch (bessere) Kommunikation und Ausgrenzung der Rechten lassen sich die Probleme nicht lösen. Es braucht politische, mithin ökonomische und soziale Antworten. Nur das hilft gegen Populisten und Nationalisten.