Liebe Leute,

das kapverdische Eiland Maio und die Wahlen im Osten: Wie passt das zusammen? Die Welt ist klein…

Hier auf Maio gibt’s ein paar Deutsche, darunter auch aus dem Osten. Und, nun ja, natürlich wird’s in den Gesprächen auch politisch. Eine sehr sympathische, im Osten aufgewachsene Berlinerin sagte dieser Tage: „Die lebten schon damals im Tal der Ahnungslosen.“ Gemeint war damit: Dort auf dem fernen Lande, wo viele AfD-Anhänger leben, konnten sie kein West-Fernsehen gucken…

Es gibt hier tatsächlich auch Leute, die sich von Flüchtlingen überrollt sehen – obwohl sie auf den Kapverden leben. Und natürlich wird über Merkel hergezogen, dass sich die Balken biegen. Und natürlich berichtet die „Lügenpresse“ ständig falsch (man weiß das, obwohl man keine Zeitung liest). Und natürlich stimmt ja so überhaupt nichts, aber gar nichts mehr in Deutschland – weshalb man ja auch gegangen ist… (aber natürlich die Versicherung daheim bedient).

Nostalgische Schwärmerei

Ich habe mich in der Tat erneut auf Gespräche eingelassen – und ich sage ganz ehrlich: Es war das letzte Mal! Ich habe Verständnis dafür, dass viele Ostdeutsche mit dem Systemwechsel so ihre Last zu tragen hatten. Brüche muss man erst einmal verarbeiten und verkraften. Und gewiss gibt’s eine ganze Reihe von strukturellen Problemen im Osten. Und mag sein, dass man sich heimisch fühlen konnte – zwischen Plattenbau und Kombinat. Aber wenn Fakten nicht zur Kenntnis genommen werden? Dann sind Gespräche sinnlos.

Und ja, es gibt die „Abgehängten“. Aber – und das wissen wir aus Untersuchungen längst: Breite Kreise lehnen eine liberale Gesellschaft ab. Sie pflegen ihr „altes“ Werte-Bild – inklusive der Ablehnung von allem, was nicht der vermeintlichen „Norm“ entspricht. Und so hört man sie nostalgisch schwärmen, wenn sie an die DDR denken. Da darf man schon mal fragen: Nix kapiert?

Sie wollen ein anderes Land!

Und so viele Erklärungsmuster man auch deuten mag, warum die Leute zu teils glühenden Anhängern der AfD werden: Eine Partei wählen, die mit Hetzern an der Spitze einen dümmlich völkisch-nationalen Kurs fährt und ganz offen agitiert gegen „Fremde“ u n d (!) uns, die weltoffen und liberal sind? 

Diese Leute wollen ein anderes Land. Und denen muss man, weil sie in ihrer Wut und ihrem Hass in Wahrheit gar nicht bereit sind, Fakten wahrzunehmen, und lieber in Gefühlsduselei verharren, sagen: Nicht mit uns! Wir sind mehr! Viel mehr! Und deshalb kann und darf es keine Koalitionen mit der AfD geben.  

Vielleicht sollten wir eine Mauer bauen – da können dann die Höckes und Gaulands samt Gefolgschaft rüberklettern. Ok, war Spaß. 

Aber wenn ich so darüber nachdenke…