Krisen offenbaren den Charakter der Menschen. Das war schon immer so. Im Privaten wie im Öffentlichen. Das Gute verstärkt sich genauso wie das Böse. Und der Sieger ist… ? 

Es braut sich etwas zusammen. Und es ist ein toxisches Gebräu: Verbindungen zwischen Verschwörern, Grundrechtsaktivisten und der Neuen sowie Alten Rechten – sie nutzen das Virus als Vehikel. 

Covid-19 ist ansteckend, indessen nicht „nur“ gefährlich für unsere Gesundheit. Siehe Bergamo. Siehe Elsass und anderswo. Das Virus ist aber auch ein bedrohlicher gesellschaftspolitischer Spaltpilz. Damit meine ich nicht die notwendigen Debatten, sondern: den Widerstand und Protest von jenen, die die Bedrohung grundsätzlich negieren, von jenen, die den staatlich verordneten Kampf gegen die Ausbreitung für „nichts als Hysterie“ halten – und von jenen, die nur darauf gewartet haben, dass das verhasste „System“ wackelt. 

Auch das Blödeste und Widerlichste…

Ich zähle weder zu den Hysterikern noch zu den Schwarzmalern, sondern zu jenen, die sich um eine realistische Sichtweise bemühen – mit einer noch immer gehörigen Portion Zuversicht. Doch ob in Berlin, ob in Stuttgart, ob in Offenburg und ein bisschen selbst in Baden-Baden: Es bilden sich seltsame Bündnisse. Sogenannte „Hygienedemos“, „Grundrechtsdemos“, „Widerstand 2020“…

Doch wenn „Freiheit“ in einem freiheitlichen Staat gebrüllt wird, ist Verantwortung meistens ganz fern. Und wenn „Meinungsfreiheit“ reklamiert wird in einem Land, in dem man im Kern auch noch das Blödeste und Widerlichste sagen kann, dann ist klar: Da steckt mehr dahinter – und manchmal auch ein politisches Ziel. 

Altbekannte Werkzeuge

So warten die Rechten und Rechtsaußen nur auf weitere Risse und Brüche im verhassten „System“. Sie wissen genau, zu welchen Zumutungen aktuell liberale Demokratien greifen. Die Frage, ob so mancher Eingriff sich als gerechtfertigt oder unnötig erweisen wird, interessiert sie im Kern nicht. Unmut erzeugen, Verwirrung stiften, skandalisieren, dramatisieren – das sind die Werkzeuge der Demagogen. 

Und wenn ich bei Demos von sogenannten Grundrechtsaktivisten sowie im Netz „Diktatur“ lese oder den Satz „fragen Sie Ihre Ur-/Großeltern“… – dann dokumentiert sich darin mehr als nur Geschichtsvergessenheit oder/und -klitterung und mehr als nur Realitätsverweigerung. Ob heute in China oder damals im NS-Regime: im besten Fall Haft. 

Soziale Zukunft gestalten

Wer ein bisschen denkt, weiß das natürlich. Doch in Krisenzeiten hat’s das Rationale besonders schwer. Und die Rechten wie die Verschwörer und die lauten Aktivisten docken an die umtosten Gefühlswelten an. Diese Klaviatur beherrschen sie perfekt. Zu sehen nicht nur bei uns: Italien, Frankreich, USA… 

Und weil sich in der Krise auch soziale und wirtschaftliche Nöte verstärken: Dass das Gute gewinnt, halte ich nicht für ausgemacht. Deshalb: Warum demonstrieren wir eigentlich nicht wenigstens? Jedenfalls wäre verzagen und zurückziehen die schlechteste aller Antworten. Die beste Antwort: sozial und ökologisch die Zukunft gestalten.