Liebe Leute,

„endlich mal wieder etwas Positives“, sagte mein Freund, als wir gemeinsam im Auto saßen und die Nachricht vom Ergebnis der OB-Wahl in Istanbul hörten. Tatsächlich scheint die Welt so dermaßen aus den Fugen zu sein, dass jeder, der auf etwas Gutes hinweist oder gar positive Entwicklungen aufzeigt, Gefahr läuft, als Leugner sämtlicher Gefahren zu gelten und ganz sicher nicht ganz bei Troste zu sein…

Blicken wir doch einmal etwas genauer hin: Über den Journalismus und dessen Aufgaben im Allgemeinen und die Kriterien bei der Nachrichtenauswahl im Besonderen gibt es einige Bücher von meist recht klugen Leuten – manche habe auch ich gelesen. Für mich selbst und die Ausbildung von jungen Menschen empfand und empfinde ich drei Kriterien als ausreichend: neu, wichtig, interessant. Ein Beispiel: Alter (politischer) Käse, der zum xten-mal in die Redaktion flattert, muss in den Papierkorb.

Weiteres Beispiel: Tag für Tag werden in Deutschland alte und neue Brücken millionenfach überquert. Dass dabei (in der Regel) nichts passiert, ist also keine Nachricht. Stürzt dagegen eine Brücke ein (wie in Genua im Februar dieses Jahres), dann erfüllt dieses schreckliche Ereignis sämtliche Nachrichtenkriterien. 

Fürs Normale kein Platz

Und nun ahnt man/frau, worauf ich hinauswill: Das Normale, das Übliche, das, was ganz einfach läuft und oft gut, findet in Nachrichten kaum einen Platz. Aber eben das Außergewöhnliche, das Schreckliche, das Drohende, auch das Schlechte, damit es besser werde (vielleicht). 

Mithin: Die Nachrichten sind nicht voll vom Guten – sondern vom eher Miesen. Das war übrigens mehr oder weniger schon immer so. Allerdings haben Datenanalysten etwa am Beispiel der New York Times herausgefunden: Die Stimmungslage der Berichte ist tendenziell schlechter geworden, obwohl das Wohlergehen der Menschen in der Welt meist deutlich besser wurde. 

Welt besser als sie scheint…

Um wieder ein Beispiel zu nennen: Kinderarbeit. Noch immer müssen laut Unicef 152 Millionen Kinder schuften (Stand 2016). Aber: Im Jahr 2000 waren es noch 256 Millionen. Ein rasanter Rückgang also! Weitere Beispiele fänden sich mühelos.

Fürs eigene (psychische) Wohlergehen ist es also durchaus nützlich, immer mal wieder an die Kriterien der Nachrichtenauswahl zu denken. Dann ist die Welt besser als sie scheint… 

Konstruktiv!

Und: Dann finden wir alle auch die Kraft zum Engagement und zur Gestaltung – erst im Kleinen und später im Großen. Dazu können Journalisten übrigens einiges beitragen: Konstruktiver Journalismus nennt sich der Ansatz, nicht nur Probleme zu nennen, sondern auch Lösungen aufzuzeigen. Das geht!